Vivian H. mit „Candy“

Heute habe ich meinen blonden Labrador Rüden namens Candy bald seit drei Monaten. Wir haben unglaublich viel bereits erlebt und ich bin so dankbar, dass ich ihn habe. Zuerst die 10 Tage Einschulung in Neuburg, in einem schönen Appartement und unsere Zweisamkeit hat von Anfang an gut gepasst. Zunächst hatte Candy Heimvorteil, da er dort alle Übungswege kannte. Für mich bedeutete es schon auch Stress, so einfach die Kontrolle an meinen Vierbeiner abzugeben. Aber Candy hatte so viel Elan und Freude und führte mich sicher an Schildern oder anderen Gegenständen in Kopfhöhe vorbei. Nach der Einarbeitung kam unsere erste Probe mit der alleinigen Zugfahrt, die fünf Stunden dauerte. Candy und ich sind sicher nach Hause gekommen und nun war der Heimvorteil auf meiner Seite. Mit Candy fünf Tage vor Ort trainiert, natürlich hat der Bursche auch seine Grenzen getestet, aber so lernen wir beide und wir konnten unsere Prüfung an meinem Wohnort absolvieren und haben all dem Regen getrotzt. Beeindruckt von meinem Führhund und seiner Leistung war ich sehr, als mir nach der Prüfung erzählt wurde, dass Candy sogar Abstand zu einer Frau mit Regenschirm gehalten hat, denn dieser wäre auf meiner Kopfhöhe gewesen. Viel Zeit zu Hause blieb nicht, denn als paralympische Biathletin standen für mich noch Wettkämpfe auf dem Programm. Zum ersten Weltcup in Planica gab es eine längere Autofahrt für uns beide. Candy saß auf einer Hundedecke in einem Anschnallgeschirr neben mir und hat mir die Fahrt sehr kurzweilig gemacht. In einem riesigen Hotel, dass total verwinkelt war und in dem ich als ganz Blinde Athletin nirgends alleine hingefunden hätte, hat Candy mich zu den Treppen, zum Essen, zum Ausgang oder auch zum Kraftraum im verwinkelten Keller geführt. Klar hatte ich auch etwas mehr zu tun, da ich nach meinen Rennen auch immer mit ihm Gassi gegangen bin und ihn nicht sofort an andere abgeben wollte, obwohl sich einige auch angeboten hatten. Doch um unsere Verbindung zusammen zu schweißen war es mir sehr wichtig, möglichst alles alleine zu tun. Erst gegen Ende und das nach zwei Monaten, durfte Candy auch mal mit einem Kumpel und guten Hundefreund von mir Gassi gehen. Ich bin mit Candy an meiner Seite wieder mehr ich selbst und auch stärker und selbstbewusster. Mit ihm zu Arbeiten und für ihn verantwortlich zu sein ist super schön, mit allen Höhen und Tiefen, die dazu gehören. Ich belegte einmal den dritten Platz und da Candy an der Strecke dabei war und mich in meinem ganzen Wesen unterstützte, durfte er mit aufs Podest. Das angefügte Bild wiederum ist aus Finnland auf einem großen zugefrorenem See. In fremder Umgebung ist es im Freilauf schon auch gut noch andere Sehende Augen dabei zu haben und in unserer Mannschaft gibt es viele tolle Hundefreunde, Hundebesitzer und von uns ganz Blinden sogar im Weltcup international drei Führhundhalterinnen, mit zwei Deutschen und einer Österreicherin. Jeder handhabt es individuell, bei der einen war ihr Buddy nicht dabei, sie hat zu Hause eine gute Möglichkeit, dass andere mit ihrem Hund Trainieren, Railey und Candy wiederum sind beide mitgeflogen. Bei Candy gerade in der Anfangsphase auch ganz wichtig, ich hätte ihn jetzt nicht einfach abgeben können oder wollen. Natürlich ist es wie für uns Menschen auch für die Hunde stressig zu reisen. Jedoch durfte Candy mit mir in den Passagier Raum und bei dem ersten Start hat er geschnurrt wie ein Kätzchen. Die Landung und den anschließenden Flug hat er ebenfalls gemeistert wie ein Großer, dabei wird er am 13.04.2021 erst zwei. Aber umso kniffliger die Aufgaben sich für ihn gestalten, desto mehr Freude hat mein Hund. In der Kolonne zwischen Koffern mitlaufen und mich von Treppe zu Treppe zu führen hat ihm richtig Spaß gemacht und ich war sehr erleichtert. Nun sind wir nach einer schönen, aufregenden Zeit, zu Hause und erholen uns auch von dem Stress. Hier machen wir die Waldwege unsicher und es ist genial, weil ich in meinem Kopf Wege kenne, von Training und Spaziergängen mit Sehender Begleitung, die ich alleine nie gegangen bin. Nun mit Candy an meiner Seite und als Absicherung meinem Handy, starte ich durch, bin auch mal zwei Stunden im Wald und erkunde immer mehr und mehr die Umgebung. Einmal habe ich mich im Naturpfad verfranzt, es hat geregnet und ich hatte mich zu oft gedreht. Jedenfalls wusste ich nicht mehr, in welche Richtung es raus geht. Ich habe gesagt: Candy such Weg… und mein träuer Begleiter hat mich sicher wieder raus geführt. Danke an Wolfgang und Maria Seitle, dass ich so viel Freude mit meinem Candy habe, so viel mehr Selbstständig erledigen kann und auch immer mehr und mehr dazu lerne! Auch bei Bahnübergängen bin ich mit meinem Vierbeiner wieder sicherer und habe auch am Gleis keine Angst vor dem Abgrund. Vor drei Jahren hätte ich noch nicht gedacht, dass ich heute einen Hund haben werde. Doch jetzt würde ich meinen Candy nicht mehr hergeben.

Viele sonnige Grüße

Vivian H.