Blindenführhundschule Maria Seitle, die Führhundschule meines Vertrauens!

Im November 2008 habe ich von der Führhundschule Maria Seitle meinen dritten Führhund bekommen. Sein Name: Dino, ein brauner lebhafter und liebenswerter Labrador, der alle Wege, Reisen und Stunden im Büro hervorragend meistert. Wir haben seit 2008 unzählige glückliche und erfolgreiche Stunden miteinander verbracht, bis durch einen für Dino schlimmen Moment unser Glück getrübt wurde.

Er geriet beim Aussteigen aus dem Zug zwischen ICE und Bahnsteigkante. Das war eine Schrecksekunde für uns beide! Von da an konnte ich mit Dino nicht mehr ohne fremde Hilfe beim Ein- und Aussteigen mit IC oder ICE fahren und das, wo ich doch relativ häufig im Bundesgebiet unterwegs bin. Ich hoffte, es mit Liebe und Leckerlis selbst wieder hinzubekommen, aber weit gefehlt.

Das erste Mal musste ich eine Nachschulung in Anspruch nehmen. Eigentlich war mir das peinlich, aber Stolz war hier fehl am Platz und half Dino gar nicht. Also wandte ich mich an die Führhundschule Maria Seitle, trug mein Problem vor und bekam die erhoffte Hilfe. Wäre die Krankenkasse nicht so bürokratisch vorgegangen, hätte ich keine 3 Monate warten müssen.

Herr Seitle erkannte, dass Dino ein massives Problem hatte. Er versprach mir aber, es in den Griff zu bekommen. Wenn jeder sein Versprechen so halten würde wie er, wäre das Leben um ein vielfaches leichter. Er hat das Problem erkannt, die Gefahr gebannt und meinem Dino und mir eine große Last von der Seele genommen. Wir haben hier 5 trainings- und erfolgreiche Tage verbracht. Morgen fahren wir wieder mit einem guten Gefühl nach Hause. Wir können wieder entspannt reisen und das Leben genießen mit seinen guten und schlechten Seiten!

Danke für die prompte Nachbetreuung und das gute Gefühl, auch nach Jahren einer Hundeauslieferung noch ein wichtiger Kunde zu sein.

Karl-Heinz und sein Hund Corgy

Karl-Heinz und Corgy Sehr geehrte Familie Seitle,

Ich möchte Ihnen wieder einmal über unseren Schatz Corgy berichten. Er wird am 26.Dezember 8 Jahre alt. Er ist fit und gesund und munter. Mein Mann geht regelmäßig 3x und fast immer um die gleiche Uhrzeit mit ihm ca. 1 Stunde zügig spazieren. Corgy ist so anhänglich. Wir sind seine Familie. Wenn Karl-Heinz auf dem Sofa sitzt, liegt der Hund meistens unter seinen Beinen, möglichst mit Körperkontakt.

Die beiden sind sehr zusammengewachsen und in ganz Wüstenrot bekannt. Alle mögen diesen gut erzogenen Hund. Wenn wir mit Corgy wandern und er muß nicht führen, läuft er nach einer Weile immer zwischen uns (dies war von Anfang an so). Die Leute, die uns entgegenkommen, schmunzeln dann immer. Anfangs wollten wir ihn wegschicken aber er kam immer wieder zwischen uns. Inzwischen ist es uns ganz recht so. So brauchen wir ihn nicht zu rufen wenn Spaziergänger oder andere Hunde uns begegnen.
Vielleicht braucht er die Nähe?

Jetzt im September sind wir 8 Tage lang auf dem Eifelsteig von Aachen nach Hillesheim gewandert (160 km). Wir waren begeistert, wie gut Corgy das wieder geschafft hat. Er musste auf schmalen Stegen durch das Moor (das Hohe Venn) führen. Und er hat seine Sache vortrefflich gemacht. Ich lief hinter den beiden her. Seine Füßchen liefen und liefen. Er hatte kaum Platz auf den Bohlen. Auf schmalen Trampelpfaden nach oben zieht er Karl-Heinz richtig hoch. Die beiden waren die Schnellsten. Er war abends auch müde, wie wir; aber am nächsten Morgen war er wieder fit und freute sich auf das erneute Aufbrechen und konnte es kaum erwarten. Unterwegs schaute er  sich ab und zu nach mir (ich war meistens die Letzte) um und verzog sein Maul. Ich hatte den Eindruck, dass er lachte; kann das sein?

In einem Quartier bekam Corgy ebenfalls ein Lunchpaket für die Wanderung (Leckerlies, die wir ihm gut einteilten)!! Unser Freund und Mitwanderer und Corgy lieben sich ebenfalls.

Wie lange kann man einem Hund solche Strecken zumuten?

Mit Bekannten, die den Hund von Anfang an ablehnten, haben wir keinen Kontakt mehr. Wir haben gelernt, dass dies auf Dauer nicht funktioniert. Aber wir haben inzwischen andere, nette Menschen – mit und ohne Hund – gefunden.

Hoffentlich geht es Ihnen gut und es läuft alles, wie Sie es sich wünschen?Karl-Heinz und Corgy

Wir wünschen Ihnen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Wir danken Ihnen für den tollen Hund.

Freundliche Grüße senden Ihnen
Martina und Karl-Heinz

Faszinierende Gemeinsamkeiten zwischen der Ausbildung von Blindenführhunden und der Erziehung von Kindern

„Wollen wir einen Hund?“ Diese Frage war in unserer Familie seit vielen Jahren immer wieder zur Sprache gekommen. Doch das Bewusstsein, dass ein Vierbeiner vom Menschen einiges an Zeit, Wissen und Energie abverlangt, will man ihm gerecht werden, ließen uns den Entschluss immer wieder hinausschieben. Dass es aber auch die Möglichkeit gab, einen Hund nur für ein Jahr nach Hause zu bekommen, das erfuhren wir durch Zufall. So nahmen wir Kontakt auf zu einer Neuburger Blindenführhundeschule, die diese Möglichkeit anbot.

Wir erfuhren, dass wir einen Welpen bekommen konnten, der etwa bis zum Alter von einem Jahr als Familienhund bei uns leben würde. Nach einigen Telefonaten und Besuchen waren wir dem Charme eines weißen Labradorwelpen voll und ganz erlegen und Rico, ein achtwöchiger Welpe, zog bei uns ein. Wir waren Paten eines späteren Blindenführhundes geworden.

Leider gab es schon bald nicht nur erfreuliche Augenblicke. Wie bekommt man einen Welpen möglichst rasch stubenrein? Was tun, wenn er nicht hören will? Wie seinen ungezügelten Appetit im Zaum halten? Warum nagt er an Möbeln? Wie sind seine Lautäußerungen zu verstehen? – und vieles mehr. Wir standen vor vielen Fragen, die wir – damals noch recht unerfahren – durch Telefonate, durch Nachlesen in Hundebüchern und durch das Training in einer Königsbrunner Hundeschule allmählich immer besser in den Griff bekamen.

Natürlich ist gewünscht, dass die Patenfamilie dem Tier eine ordentliche Grunderziehung zukommen lässt. Jeder kennt die üblichen Kommandos „Sitz!“, „Steh!“, „Platz!“, „Bleib!“, deren Einübung keine allzu großen Schwierigkeiten bereitet. Als zeitweiliger Halter eines Blindenführhundes versucht man, dem Vierbeiner nach und nach einige weitere Kommandos beizubringen: „Links voran!“ „Such Bord!“ (Damit ist der Bordstein gemeint, der Hund muss hier stehen bleiben, damit der Blinde nicht stolpert), „Langsam!“, „Nach Hause!“ (Den Weg nach Hause finden), „Such Bank!“ (Hier sucht das Tier im Bus, in der Straßenbahn oder im Zug einen freien Platz für sein blindes Herrchen), und manches andere.

Endgültig zur weiteren Ausbildung ausgewählt werden diese Tiere streng nach ihrer Gesundheit, der Wesensfestigkeit, Arbeitsfreude und Lernfähigkeit. Insgesamt muss ein Blindenführhund bis zum Ende seiner etwa eineinhalbjährigen Ausbildung – ab dem Alter von etwa einem Jahr übernimmt dies ein professioneller Trainer – über 40 Kommandos kennen und sicher beherrschen. Man staunt, was ein Hund alles lernen kann, sieht man doch eher unfolgsame Vierbeiner, und man macht sich allerlei Gedanken:

Wie muss man vorgehen FÜR EINE ERFOLGREICHE HundEAUSBILDUng?
Nach welchen Grundprinzipien funktionieren Erziehung, Motivation und Lernen BEIM HUND?
WAS SIND HÄUFIG GEMACHTE FEHLER? WO LIEGEN DIE URSACHEN FÜR DIESE FEHLER?

Da ein Hund die menschliche Sprache nicht verstehen kann, werden Laute oder Wörter nur als Signale verwendet, auf die vom Tier eine bestimmte Ausführung erwünscht ist. Mit dieser Methode der Verknüpfung oder Konditionierung wird trainiert. Damit ein Hund auf das Wort „Sitz!“ dieses Kommando auch ausführt, hält man ihm in der Lernphase einen Hundekeks so über den Kopf, dass er diesen nur annehmen kann, wenn er sich auf die Hinterbeine setzt. Bald verwendet man überwiegend nur noch das sog. Sichtzeichen, man streckt dazu wortlos den Zeigefinger nach oben und der Hund weiß, dass dies als Signal für das Hinsetzen zu verstehen ist. Erfolgreich wird die Konditionierung dann, wenn sich der Mensch nicht mit langen Sätzen, sondern kurz und mit immer gleichen Worten und Handzeichen dem Tier verständlich macht.

Bei unseren Bemühungen um eine gute Grunderziehung unserer zukünftigen Blindenführhunde bemerkten wir Tag für Tag mehr, dass in vielen Fragen die Probleme und deren Lösungen bei der Kinder- und Hundeerziehung überraschend ähnlich aussahen. Es gibt eine große Zahl zum Teil recht verblüffender Parallelen, hier ein paar Beispiele:

KlarHEIT in den Äußerungen und Signalen beschleuniget das Lernen und Vorankommen. Ist dieser Grundsatz für das Lernen und bei der Erziehung von Kindern etwa anders? Sich seinem Gegenüber klar und eindeutig auszudrücken, ist auch wichtig für uns Lehrer im Unterricht, und dies nicht nur im Fach Mathematik. Einreden auf den Hund („Ich hab dir das doch schon so oft gesagt…“) hat keinerlei positiven Effekt, in ähnlicher Weise verlaufen auch lange Diskussionen mit Kindern meist ziemlich unbefriedigend. Und allein mit Spaß funktioniert Lernen halt auch nicht. Jeder weiß das…

Weitere wichtige Prinzipien erfolgreichen Lernens in der Hundeausbildung sind konzentriertes ÜBEN und stetes WIEDERHOLEN. Das Tier beherrscht ein Kommando noch lange nicht, wenn es ein paar Mal geklappt hat, die Festigung durch Üben ist unerlässlich. Wir finden die gleichen Grundsätze in der Schule: Ein bisschen Wörter lernen kann nicht funktionieren, von einer schnell mal hingefetzten Hausaufgabe wird wenig im Gedächtnis bleiben, vor allem, wenn im Kopf zugleich noch andere Dinge herumgeistern.

Einer der wichtigsten Grundsätze in der Erziehung ist Konsequenz. Nur so kennt sich ein Vierbeiner, aber auch ein Kind aus. Ohne Konsequenz entsteht auch kein Vertrauen, jeder braucht verlässliche Partner. Einmal so und dann wieder anders, einmal ja und das nächste Mal nein, das kann nicht funktionieren, es verwirrt nur. Ein „Nein!“ muss ein Nein bleiben.

Der Hund stammt vom Wolf ab und ist wie dieser ein Rudeltier. Damit ein Rudel in der Natur überleben kann, hat jedes Tier seine Aufgabe und es gibt eine ganz klare Rangordnung. Glaubt ein Wolf, dass er stärker geworden ist als das bisher über ihm stehende Tier und dass er dessen Aufgaben besser ausführen kann, so fordert er es zum Kräftemessen heraus, er möchte sehen, ob er diesen ranghöheren Platz einnehmen kann. Was nun vielen Hundehaltern nicht bewusst ist: Auch der Vierbeiner, der in einer Familie lebt, befindet sich in einem Rudel. Und auch in diesem Mensch-Hund-Mischrudel läuft es nicht anders ab, nur will sich der Hund nun gegenüber Menschen behaupten und bei ihnen einen vorderen Rang erkämpfen. Immerwährendes Ziehen an der Leine ist eines der am häufigsten zu beobachtenden Hinweise (Der Vierbeiner signalisiert: Ich möchte dahin, geh gefälligst mit!). Übrigens muss nicht der größere, körperlich stärkere oder ältere Hund automatisch den vordersten Rang einnehmen, Stärke ausstrahlen und Dominanz ausüben können auch Hunde, bei denen man dies nicht vermutet! – Gibt es da nicht auch wieder Parallelen zum Menschen?

Was man auch schnell erkennt bei der Erziehung eines Hundes: Zu viel Freiheit überfordert. Oft als Zeichen der Zuneigung gedacht, wird die Freiheit, tun zu können was man möchte, vom Hund, aber auch von einem Kind schnell als Schwäche und Nachgiebigkeit empfunden. Eine besonnene und damit starke Persönlichkeit zeigt ruhig, aber bestimmt den Weg. Zuwendung, Geborgenheit, Vertrauen und Berechenbarkeit sind hierbei die sich positiv auswirkenden Faktoren. Sanfter Druck ja, aber Stärke darf keineswegs verwechselt werden mit Drill, Drohungen, Strafe oder Gewalt. Was man mit einer solchen Einstellung erreichen kann, ist in erster Linie Einschüchterung, Unsicherheit oder Angst. Zu große Härte und Strenge, oder gar das Zufügen von Schmerz sind zweifelhafte Mittel, sie können das Wesen verformen, beim Tier, ebenso beim Menschen.

Da sie vom Wolf abstammen, haben Hunde auch dessen Wachsamkeit und Jagdtrieb geerbt und beobachten ihre Umgebung ganz genau. Erkennt der Vierbeiner stärkere Reize, als sein Besitzer ihm bietet, wird er auch diesen interessanteren Reizen nachgehen, er wird das Kommando seines Herrchens nicht befolgen, es kann sogar sein, dass er wegläuft und die Suche nach ihm lange dauert. Man muss diesen Mechanismus verstehen und versuchen, den Hund immer wieder mit intensiven Reizen zu locken und als weitere, sehr wichtige Voraussetzung eine STARKE BINDUNG zu ihm aufzubauen. Reize, die unsere Kinder ablenken, kennen wir zu genau: Fernsehen, Computerspiele, der Anruf auf dem Handy…

LOB und Belohnungen zum richtigen Zeitpunkt helfen weiter: Zuwendungen durch Spiel, eine freundliche Stimme, durch Streicheln und auch mit Leckerlis. Diese sollten nur gegeben werden, wenn das Tier eine gewünschte Ausführung gezeigt hat, nicht davor, etwa nach dem Motto: „Nun mach schon, ich hab dir doch gerade ein Leckerli gegeben!“ Gibt man das Leckerli vorher, warum soll der Vierbeiner dann noch etwas tun, was ihm Mühe bereitet und nicht besonders viel Spaß macht? Wozu noch das Kommando ausführen, wo doch auf der anderen Straßenseite eine attraktive, heiratsfähige Hundedame vorbeiläuft? Belohnungen im Voraus bewirken eher das Gegenteil des Angestrebten. Sie motivieren nicht, sondern führen nur zum Verwöhntsein, denn Anreize fehlen eben, wenn man alles ohne Leistung erhält. – Kennen wir das nicht auch bei unseren Kindern? Süßigkeiten oder Automatengeld etwa helfen bei der Erziehung und beim Lernen nicht wirklich weiter!

Ein bisschen Erziehung, das funktioniert eben leider nicht, weder beim Vierbeiner noch bei Kindern. Auch wir Erwachsene müssen uns selbst beobachten und immer bereit sein, unsere Bedürfnisse und unser Verhalten zu überprüfen. Ein wichtiger Ratschlag der Trainer heißt: „Suche nie den Fehler beim Hund!“ Um gute Erziehung muss man sich konsequent bemühen, es ist eine wirklich nicht einfache Aufgabe, eher einem schmalen Pfad vergleichbar.

Inzwischen lebt schon der dritte Blindenführhund bei uns: Yaro. Auch bei ihm spüren wir, dass Erziehung nicht von selbst gelingt. Zudem ist jedes Lebewesen anders, selbst wenn es von den gleichen Eltern stammt. Aber man kommt gut voran, wenn man offen ist, das Gegenüber in seinem Verhalten, seiner Entwicklung und auch in seiner individuellen Körpersprache genau beobachtet und ein verantwortungsvolles Gespür entwickelt. Dann macht Erziehung bei aller Mühe große Freude, bei Mensch und Tier.

Das Allerschönste war für mich, als ich unseren ersten Welpen, er war inzwischen etwa zwei Jahre alt geworden und fertig ausgebildet, als souveränen Helfer seines blinden Herrchens beobachten konnte und dabei spürte, dass man mit seinen eigenen Bemühungen um erfolgreiches Lernen und gute Erziehung auch ein wenig dazu beigetragen hat, einem behinderten Menschen für viele Jahre eine wichtige Erleichterung in seinem Leben zu schenken. Und Rico machte erstaunlicherweise überhaupt keinen gestressten Eindruck bei seiner Arbeit! Er hat neben seiner Arbeit des Helfens, bei der er dem Blinden seine Augen „leiht“, noch genügend Zeit, herumzutollen und mit anderen Hunden oder seinem Herrchen oder Frauchen zu spielen. Das braucht er auch. Niemand kann nur arbeiten.

Ein knappes Jahr mit einem angehenden Blindenführhund zu verbringen, kann ganz besonders auch für Kinder eine sehr schöne und bereichernde Zeit bedeuten. Hier findet das Kind einen „Kumpan“, mit dem eine ganz enge, vertrauensvolle Bindung entstehen kann. Und das Kind schult sein soziales Gespür, es versteht allmählich ganz nebenbei, was es heißt, Verantwortung und Pflichten auf sich zu nehmen. Dazu lernt es Geduld zu üben – aber es kommt viel zurück!

Gerne gebe ich weitere Auskünfte, wenn jemand Interesse hat an einer solchen Patenschaft für einen Blindenführhund. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, Kosten für Futter, Tierarzt u.ä. werden übernommen. Bitte melden Sie sich bei Familie Seitle, sie werden gerne den Kontakt zu mir herstellen.

Friedrich

Sowas wie die Frieda war noch nie da!

Die erste Begegnung

Die Entscheidung, mir einen Blindenführhund an die Seite zu holen, war ein Herzenswunsch, den ich schon als Kind hatte. Damals war es die Schäferhündin Alice, die mich faszinierte. Sie war der Führhund eines blinden Mannes, der an unserer Schule arbeitete.

Nach ausführlicher Recherche und dem Abwägen von Für und Wider eines Blindenführhunds besuchte ich im Sommer 2010 die Führhundschule Seitle, wo ich meinen zukünftigen Hund Frieda, eine schwarze Labradorhündin von eineinhalb Jahren, kennenlernte. Unser erster Kontakt bestand darin, dass sie mich von hinten ansprang und um mich herumhüpfte. Frau Seitle, die mich durch das Grundstück der Schule führte, bezeichnete Frieda zunächst als eine „richtige Hex“, aber auch als sehr freundlichen und eben auch sehr lebhaften Hund. Weiterhin erfuhr ich, dass sie noch am Anfang ihrer Führhundausbildung sei und noch keinen Abnehmer habe. Wenn ich also wollte und ich die Kostenübernahme der Krankenkasse zugesichert bekäme, könnten Frieda und ich in einem halben Jahr als Gespann durch die Gegend laufen. Von meiner Seite war die Entscheidung an diesem Tag gefallen.

 

Erste Schritte

Sechs Monate später erfolgte dann die Einschulung für Frieda und mich in Neuburg an der Donau. Bei einem ersten Hundespaziergang erklärte mir meine Trainerin Julia alles Wichtige für die nächste Zeit und beantwortete geduldig und kompetent meine Fragen. Dann durfte ich Frieda zum ersten Mal das Führgeschirr anlegen und wir versuchten ein paar Schritte, angeleitet von Julia. Es war ein seltsames Gefühl und ich war beim besten Willen nicht in der Lage, entspannt zu laufen, zu groß war die Angst, Frieda auf die Pfote zu treten oder sie aus dem Konzept zu bringen. Sie hingegen meisterte die neue Situation gekonnt und mit Geduld, wofür sie viel Lob und einige Leckerli erntete.

 

Gutes Bord und blödes Bord

Am nächsten Tag, nachdem sich das Gefühl, hinter einem Hund am Führbügel zu laufen nicht mehr allzu befremdlich anfühlte, trainierten wir in einer Wohnsiedlung in Ingolstadt. Diesmal übten wir, wie man sich an Bordsteinen verhält. Der Hund muss Bordsteinkanten anzeigen, indem er kurz davor stehenbleibt. Das hört sich einfacher an, als es tatsächlich ist, denn oft sind Gehsteigkanten so abgeflacht, dass der Hund sie nur sehr schwer erkennen kann. So hatte natürlich auch Frieda das Eine oder Andere Mal ihre Schwierigkeiten, zumal sie sich ja zusätzlich auch an ihr neues, noch unsicheres Anhängsel, nämlich mich, gewöhnen musste. Als wir wieder einmal eine sehr flache Kante passierten, ohne dieser auch nur die geringste Beachtung zu schenken, und Trainerin Julia uns energisch stoppen musste, sagte ich zu Frieda: „das konntest du ja fast nicht erkennen, das war ein blödes Bord!“. Aber diese Ausrede ließ Julia nicht gelten und so übten wir solange an dieser Kante, bis Frieda und ich sie perfekt meistern konnten. Es ist wichtig, nicht die Geduld zu verlieren, wenn Fehler passieren, sei es von Seiten des Hundes oder des Menschen. Dann kommt es darauf an, Ruhe zu bewahren, in die Ausgangssituation zurückzukehren und noch einmal von vorne zu beginnen. Hinterher darf natürlich ausgiebiges Lob für den Hund nicht fehlen.

Seit diesen Trainingsstunden gibt es für mich jedenfalls nicht mehr die Einteilung von hohen oder flachen Bordsteinkanten, sondern nur noch „gutes Bord“ und „blödes Bord“, ein bisschen Blödsinn muss erlaubt sein 🙂 Mag man diese Kanten im Stillen bezeichnen, wie man will, solang man Frieda ihre gewohnten Hörzeichen gibt, macht sie ihre Sache hervorragend!

 

Frieda hält mich gesund

Es ist ja gemeinhin bekannt, dass Hunde viel Auslauf brauchen, so muss man täglich mehrmals mit ihnen an die frische Luft. Schon alleine diese Tatsache würde ausreichen, um mein Bewegungspensum enorm zu steigern, denn ich will meinem Hund, und somit auch mir,  ausgiebige Spaziergänge gönnen. Aber nicht nur auf unseren täglichen Spaziergängen, sondern auch im Führgeschirr legte Frieda ein beachtliches Tempo vor und zeigte ihr Temperament. Dabei arbeitete sie aber wie immer hoch konzentriert und umging alle Hindernisse, auch solche, die nicht für sie, wohl aber für mich gefährlich werden konnten, wie herabhängende Äste oder Schilder in Kopfhöhe. Mit einem „Langsam“ konnte man ihr Tempo auch etwas zügeln, was ich vor allem dann in Anspruch nahm, wenn wir eine längere Anhöhe zu passieren hatten. Man muss also keine Angst haben, dass man seinem Hund nicht hinterherkommt, denn der Mensch hat das letzte Wort und gibt das Kommando. Mir ist Friedas schneller Schritt jedoch ganz recht, dadurch erhoffe ich mir eine bessere Ausdauer und auf lange Sicht das eine oder andere Pfund zu verlieren. Außerdem bekommt man gute Laune, wenn man beobachten kann, wie ausgelassen Frieda bei den Spaziergängen herumtollt. Mit einer Schelle, die sie dann am Halsband trägt, kann man sie weithin hören.

 

Frieda, lauf heim!

Eigentlich wurde ich auf den Hundespaziergängen entweder von Trainerin Julia oder Frau Seitle begleitet. Eines Abends traf es sich jedoch, dass beide verhindert waren und so ging ich denn das erste Mal alleine mit Frieda Gassi. Im Notfall könne ich jedoch bei Seitles anrufen und in zehn Minuten sei jemand hier um zu helfen. Mit dieser Versicherung von Frau Seitle und einigen Leckerli im Gepäck zogen wir also los. Ich wollte meine Sache besonders gut machen und Frieda extra lange laufen lassen, hatte sie doch heute ihre Sache beim Training wieder einmal sehr gut gemacht. Der Weg ist ja auch wirklich einfach, dachte ich bei mir, da hast du schon ganz Anderes gemeistert. So ging auch alles gut, bis ich in der Ferne einige Reiter hörte, da hielt ich Frieda lieber am Halsband fest und stellte mich an den Straßenrand, bis die Pferde nicht mehr zu hören waren. Doch nun wusste ich nicht mehr, aus welcher Richtung ich gekommen war. Also ging ich einfach weiter, in der Hoffnung, auf dem Rückweg zu sein. So sah es zunächst auch aus, doch irgendwann hatte ich mich so verfranzt, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, wo ich war. So nahm ich Frieda kurzerhand ins Geschirr und sagte: „Frieda, lauf heim, ich brauch jetzt deine Hilfe!“ Zielstrebig ging Frieda drauflos. Aus irgendeinem Grund dachte ich jedoch, dass es genau die falsche Richtung sei und dass sie einfach nur gern weiter spazieren laufen wollte. So schickte ich sie in die entgegengesetzte Richtung weiter, bis mir auch das spanisch vorkam. Da wurde es Frieda zu dumm. Energisch drehte sie sich um, und ich mich mit ihr. Ich beschloss jetzt, ihr zu vertrauen und das sagte ich ihr auch. Ihr zügiger, sicherer Gang und die Bestimmtheit, mit der sie kehrt gemacht hatten, überzeugten mich, dass sie wusste, wohin sie sollte. Tatsächlich gelangten wir wenig später wohlbehalten an dem Hotel an, in dem wir beide für die Einschulung untergebracht worden waren. Ich war unglaublich stolz auf meine kluge Frieda, die meine Aufregung gespürt haben musste und trotz widersprüchlicher Befehle genau das Richtige getan hatte.

 

Ampeln sind klasse!

Schon bald merkte ich, dass es Frieda unglaublichen Spaß bereitet, Dinge anzuzeigen. In ihrer Ausbildung lernen Führhunde, auf Befehl Bänke, Treppen oder Zebrastreifen aufzusuchen. Frieda geht hier sehr eifrig ans Werk. So zeigt sie auch minimale Vertiefungen oder Schwellen im Boden an oder auch einfach nur, wenn sich der Belag ändert. Das hat sie so nicht gelernt, aber ihr Eifer ist so groß, dass sie am liebsten alles, was in irgendeiner Weise ein Hindernis darstellen könnte, anzeigen will. Aber mit einem „weiter“ kann man seinen Weg normal fortsetzen.

Eine besondere Vorliebe scheint sie für Ampeln zu haben. Das bemerkte ich, als ich ihr das erste Mal das Hörzeichen „such Ampel“ gab. Daraufhin rannte sie begeistert los, wurde immer schneller und hielt exakt vor dem nächsten Ampelpfosten an. Nun war natürlich ein Leckerli fällig, möglicherweise hat ihre Begeisterung für Ampeln auch damit zu tun, dass es hier nicht nur viel Lob, sondern auch meistens etwas zu knabbern gibt. Dieser Ansporn ist jedoch gerechtfertigt, denn es ist für Hunde schon eine Kunst, ausgerechnet eine Ampel als solche zu erkennen.

 

Auf Umwegen zum Ziel

Bis zu unserem Spazierweg mussten Frieda und ich ein Stück im Geschirr laufen, danach konnte ich sie frei herumtollen lassen. Eines Abends war unser üblicher Hinweg völlig von geparkten Autos blockiert. Frieda blieb kurz vor der Bescherung stehen, fackelte dann aber nicht lange und nahm nach kurzem Nachdenken schlicht und einfach einen anderen Weg, auf dem wir beide vorher noch nie gelaufen waren. Meine Mutter, die uns gerade besuchte und unseren Gang begleitete, merkte nicht einmal, dass wir gerade einen Umweg nahmen, so sicher führte mich Frieda zum Ziel, denn wir kamen genau dort an, wo ich sie sonst immer aus dem Geschirr nahm und von der Leine ließ. Auch ich hatte mir nichts anmerken lassen, denn inzwischen konnte ich Frieda schon soweit vertrauen, dass ich merkte, wie sie einen Ausweg suchte und fand. Auf dem Rückweg konnte sie es natürlich nicht lassen, aus Eifer noch zusätzlich eine Ampel und eine Treppe anzuzeigen, die wir auf dem Weg aber gar nicht brauchten. Solche Sachen sind aber nicht gefährlich, da die Hunde gelernt haben, vor einer Treppe stehen zu bleiben und an Ampeln so zu halten, dass sich der Blinde nicht am Pfosten stößt. Es bewies mir nur wieder einmal mehr, wie eifrig Frieda bei der Sache ist und wie viel Spaß es ihr macht, zu führen.

 

Ausblick

Nun befinden Trainerin Julia, Frieda und ich uns in der dritten Einschulungswoche an meinem Wohnort. Hier üben wir die Wege, die ich täglich gehen muss. Einer von ihnen wird Inhalt der Gespannprüfung sein, die uns noch erwartet. Hier soll festgestellt werden, ob das Gespann, also der Hund und der Blinde, so miteinander zurechtkommen, dass sie sich beispielsweise im Straßenverkehr nicht gefährden, und auch keine Gefahr für andere darstellen. Falls wir diese Prüfung nicht bestehen, was Julia im Übrigen nicht glaubt, kann es nicht am Training gelegen haben. Wenn es nötig war, verbesserte uns Julia und ließ es uns noch einmal versuchen, bis es schließlich klappte. Die Kritik, die sie gab, war positiv und nicht einschüchternd oder kränkend. Wer wirklich etwas lernen will, kann aus dieser Art von Training viel mitnehmen und weiß schließlich, wie man mit seinem Führhund umgehen muss, was erlaubt ist und wo man durchgreifen und konsequent sein muss.

Frieda ist trotz ihres Temperaments und ihrer Wildheit sehr folgsam und gehorcht praktisch aufs Wort, zwar manchmal mehr, manchmal weniger gern, aber das ist ja nicht nur bei Hunden so. Ich habe in den zwei Wochen, die wir jetzt zusammen verbracht haben, erfahren dürfen, dass ich mich auf sie verlassen kann. Sie muss eine sehr gute Ausbildung genossen haben.

Insofern sehe ich der Gespannprüfung positiv entgegen.

Post von Arthus …

Liebe Familie Seitle,

seit fünf Monaten bin ich nun bei meinem neuen Herrchen Pierre und seiner Familie.
Hier in Weilerswist habe ich mich sehr gut eingelebt. Das Zuhause ist sehr schön, ich habe meinen Platz im Wohnzimmer und kann alles miterleben.
Die „alte“ Katze Kira hat mich gut akzeptiert und ich wohne mit ihr nebeneinander her. Sie auf der Couch, ich davor. Manchmal ist Sie ein bisschen frech und geht unter meinem Bauch her wenn ich in der Gegend rum stehe.
Mein Frauchen und Katharina haben mich voll in ihr Herz geschlossen, vor allem Katharina spielt oft mit mir, geht mit mir spazieren und lässt mich mit anderen Kumpels spielen. Frauchen geht mit mir oft Gassi und wir treffen hin und wieder andere Frauchen mit Hunden. (Was hatten Sie am Anfang Ängste)
Mit meinem Herrchen mache ich immer lange Spaziergänge bei denen ich dann über die Felder und Wiesen flitze, mit anderen Hunden spiele und ab und zu in die Erft (Flüsschen) springe. Hier habe ich schon viele Freundinnen und Freunde gefunden z.B. Alina, Luna, Paul, Max, Pernot (Labradore). Mein bester Freund ist Milow ein Border Collie.

Das wichtigste ist natürlich dass ich mein Herrchen zur Arbeit und Einkaufen begleite. Morgens zur Bahn und dann ins Büro. Klappt alles prima. Vor allem freut sich mein Herrchen jetzt auch wieder in der dunklen Jahreszeit mit mir zu gehen. Das mache ich auch sehr gut und passe immer schön auf. War auch schon mit bei einer Dienstreise mit der DB.
Muß auch manchmal mit zu Meetings, dass ist soooo langweilig – da stöhne ich immer. Freue mich dann wenn es wieder nach Hause geht.
Meine Familie hat auch mit meiner Patenfamilie Kontakt aufgenommen und viel über mich erfahren und erzählt. Meine Pateneltern haben Fotos und ein Video geschickt, wo zu sehen ist wie ich aufgewachsen bin. Meine Herrchen haben sich sehr gefreut und viel gelacht.
Fotos von mir im Anhang.Pierre und Arthus

Viele Grüße an Julia, es geht mir hier sehr gut.

Arthus mit Pierre und Familie

Bärbel und Ihre Hündin Viorella

Viorellas neue Heimat

Mit klopfendem Herzen sah ich im November letzten Jahres der Ausbildung mit meiner neuen Blindenführhündin entgegen. Ich kannte ihren Namen: Viorella, ihre Farbe: blond und dass sie ein etwas kräftiger und damit ruhiger Labrador sei. Der Tag der Begegnung kam und Viorella eroberte mich im Sturm, im wahrsten Sinne des Wortes: die ersten Tage der Einschulung waren mit Regen und Schneetreiben durchsetzt.

Von Herrn Seitle wurde ich auf die besonderen Eigenschaften, das Verhalten und die Eigenarten eines Blindenführhundes hingewiesen. Unsere Lehrerin Katrin bewies beim Training eine Engelsgeduld und so lernten wir Neuburg und Ingolstadt gründlich kennen. Das Vertrauen zu meinem Hund wuchs von Tag zu Tag und ich fühlte mich ständig sicherer. Um eine kleine Pause einzulegen fährt mein Führhund liebend gern Bus. Von den Mitarbeitern des Sporthotels, wo wir während der Einschulung untergebracht waren, wurden wir freundlich umsorgt und durch ihr einnehmendes Wesen fand Viorella ständig neue Fans. Der Muskelkater der ersten Tage war rasch vergessen.

Nach 2 Wochen Bayern ging es in die ostwestfälische Heimat. Die lange Fahrt, die mir zunächst Kopfschmerzen bereitete, war für Viorella kein Problem. Das beweist sie auch immer wieder: Ssie verreist sehr gern. Zu Hause wurden wir mit großem Hallo begrüßt, alle Nachbarn und Freunde wollten den neuen Führhund kennen lernen. Für Viorella toll: es passiert was.

Die heimischen Wege bereiteten ihr keine Schwierigkeiten, selbst die einzige Fußgängerampel in unserer Kleinstadt fand sie ohne vorheriges Üben sofort. Stolz erwartete sie ihr Leckerli. Als die Trainerin Katrin nach einer Woche heimfuhr war ich trauriger als Viorella. An dem Cafe, das wir während unserer Ausbildung manchmal aufsuchten, lässt meine Hündin mich nicht mehr vorbei. Ihren damaligen Stammplatz (erster Tisch hinter der Glastür) sieht sie mittlerweile als ihr Eigentum an. Auch beim Frisör führt sie mich immer zum gleichen Stuhl, egal ob eine Kundin dort sitzt oder nicht. Eine besondere Herausforderung für sie sind Menschenansammlungen. Schwanz wedelnd bahnt sie sich ihren Weg und ich muss mit. Ihr Leben heißt jedoch nicht nur Arbeit sondern auch Freizeit.

Gern spielen wir gemeinsam im Garten, wo sie bei der Umgestaltung sehr behilflich war. Das Umsortieren von Kaminholz zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen und Fallobst wird gegen entsprechendes Leckerli abgeliefert. Beim Gassi gehen sind wir über die Dauer nicht immer der gleichen Meinung, Regen stört sie nicht – mich schon und nicht überall findet sich sofort ein Gebüsch, hinter dem man sein Geschäft erledigen kann, besonders nicht am Strand in Frankreich. Sprachprobleme mit ihren Artgenossen hatte sie dort allerdings nicht. Auf charmante Weise hat Viorella mein Herz und das meines Mannes erobert und findet uns scheinbar o.k. Unser großer Dank gilt der Führhundschule Seitle samt Team.

Nilo besucht seine alte Patenfamilie

Im Mai 2004 zog Nilo bei uns ein. Etwa 6 Monate vorher kam er von der Patenfamilie zurück in die Blindenführhundschule Seitle wo er geboren wurde. In der Patenfamilie hat er etwa 9 Monate gelebt und sich sehr wohl gefühlt und viel gelernt. Die Patenfamilie und ich hatten von Anfang an telefonischen Kontakt, auch Bilder tauschten wir aus  und es war recht schnell klar das wir uns auch mal treffen würden wenn es sich ergibt, da sie doch recht weit weg wohnten. Im September 2005 war es dann so weit. Wir waren in Bayern und machten einen Abstecher zur Patenfamilie. Ich war sehr unruhig und aufgeregt, da ich nicht wusste wie Nilo reagieren würde.
Vielleicht wollte er lieber dort bleiben?
Vielleicht ignorierte er mich dann?

Wir kamen an und warteten. Die Patenfamilie, die Patenmutter und ihre Tochter, kamen. Nilo freute sich, aber nicht so wie erwartet. Es machte auf uns den Eindruck, dass er sie zu erst gar nicht erkannte. Ich bot der Patenmutter an Nilo an der Leine zu halten bis wir im Park waren wo er frei laufen konnte. Das nahm sie gern an. Allerdings zeigte sich Nilo von seiner schlechtesten Seite. Er kannte keine Kommandos mehr, machte was er wollte und zog wie ein Ochse. Die Patenmutter sagte nichts, aber sie war traurig das Nilo nicht gehorchte. Auch machte Nilo den Eindruck als wer die ganze Umgebung für ihn fremd. Im Park, oder was es war, ging Nilo seine eigenen Wege. Er guckte ab und zu nach mir, aber die anderen waren recht uninteressant.

Bis zur Eisdiele hatte die Patenmutter Nilo an der Leine. Dort setzten wir uns hin und aßen ein Eis. Die Tochter, 7 Jahre, blühte da etwas auf und ging auf dem Platz mit Nilo auf und ab. Sie war vorher sehr ruhig und machte einen traurigen Eindruck. Nilo hörte bei ihr sehr gut und die beiden haben sich gut verstanden. Fast wie früher sagte die Mutter. Nach einer Weile fragte die Tochter ob sie nicht Oma und Opa besuchen dürften. Nilo war früher oft dort zu besuch und die alten Leutchen würden sich sehr freuen. Etwas mulmig stimmte ich zu. Als die Patenmutter, die Tochter und Nilo wieder kamen erzählten sie: Nilo lief zielstrebig zu Oma und Opa. Er wusste den Weg, das richtige Haus und die richtige Wohnung. Dort in der Wohnung lief er gleich in die Küche und setzte sich vor den Kühlschrank. Dort wartete er auf seine Wurst die er immer bekommen hat. Natürlich auch an diesem Tag. Das hat mich sehr beeindruckt, da es schon fast zwei Jahre her war das er dort war. Nach knuddeln von Oma und Opa kamen sie dann zurück. Auf dem Rückweg hatte die Tochter Nilo an der Leine und er hörte sehr gut. Wir zeigten dann noch Nilos Berufskleidung, das Führgeschirr, es wurden noch Bilder gemacht, Nilo bekam noch ein gemaltes Bild der Tochter was sehr schön geworden ist  und dann war der Besuch schon wieder zu ende.

Für die kleine Tochter war der Besuch sehr wichtig. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sie die Trennung von Nilo nicht verarbeiten, da sie nicht wusste zu wem er gekommen war und wie wir sind. Danach konnte sie es gut verarbeiten.

Auch heute stehen wir noch in Kontakt mit der Patenfamilie und wir werden uns bestimmt mal wieder treffen, dann vielleicht bei uns.

Auch für mich war der Besuch gut. So konnte ich mich mal persönlich bei der Patenfamilie bedanken, da sie ja auch viel Arbeit und Zeit in Nilo gesteckt hat. Sie hat ihm ja in den ersten Monaten schon sehr viel beigebracht. Die Patenfamilien sind sehr wichtig für unsere Hunde. Ich finde es toll das es so Familien gibt auch oder gerade weil der Abschied so schwer ist. Wir haben der Patenfamilie auch noch ein Geschenk oder besser eine Erinnerung an Nilo mitgenommen. Mein Mann hat Nilo und mich in den 3 Wochen Einweisung gefilmt und zu einem schönen Film zusammen geschnitten. So kann die Patenfamilie sich jeder Zeit auf einer DVD angucken was Nilo jetzt alles kann und das wir ein gutes Team geworden sind.

Also hier noch ein Dank an alle Patenfamilien und ich würde mir wünschen, dass mehr Halter den Kontakt mit der Patenfamilie suchen würden. Unsere Angst war völlig unbegründet auch wenn Nilo zum Schluss besser auf die Patenmutter hörte, aber man wusste ja nicht auf wen man trifft, er ist aber gerne wieder mit uns mitgefahren. Die Patenfamilie war froh das Nilo zu uns gekommen ist und wir haben uns sehr gut verstanden. Wir waren auch froh das Nilo so eine gute Kindheit hatte. Es wurde natürlich nur oder fast nur über Nilo gesprochen. Was er erlebt hat und wie er so war.

Lieben Gruß
Anja und Nilo

Nilo, was ein Blindenhund alles erlebt

Hallo,

Mein Name ist Nilo und ich bin ein brauner Labrador von 3,5 Jahren. Seit 2 Jahren lebe ich nun in meiner neuen Familie. Sie besteht aus meinem blinden Frauchen, meinem Herrchen und 2 Kindern im Alter von 2,5 und fast 7 Jahren. Ich wollte euch nun mal berichten was ich in den 2 Jahren bei Ausflügen und Urlauben schon alles erlebt habe. Das ist ziemlich viel wie du sehen wirst. Dieser Bericht soll hauptsächlich für die Zweifler unter euch sein die Bedenken haben was man mit Hund machen kann und was nicht. Aber ich fange erst mal an.

Die meisten Labradore sind ja richtige Wasserratten. Ich nicht. Frauchen wollte mal gucken ob ich überhaupt schwimmen kann und so sind wir zu einem See gefahren. Sie ist weit raus geschwommen und da musste ich natürlich hinterher. Also ich kann schwimmen >freu< und das macht mit Frauchen sooo viel Spaß. Auch auf verschiedenen Booten und Schiffen bin ich schon mitgefahren. Das macht auch viel Spaß. Auch ins Freibad darf ich mit, aber ich muss lieb am Rand warten. Das macht mir aber nichts aus.

Wo wir gerade beim Fahren sind. Ich bin auch schon Planwagen gefahren. Einmal war ein Traktor davor und einmal Pferde. Auch wenn sie mit dem Rad oder Tandem unterwegs sind darf ich mit. Ich laufe dann immer lieb neben her. Das ist klasse. Im Urlaub sind wir mal Draisiene gefahren.

Das sind so 2 Fahrräder die verbunden sind und das ganze fährt auf Schienen. Das war nicht so toll. Auf den Schienen, die früher mal der Eisenbahn gehörten, konnte ich schlecht laufen und auf dem Anhänger gefiel es mir nicht so gut. Leider konnte ich da im Gras nicht laufen, weil es dort nur Gestrüpp gab. Das war nicht so toll, aber ich war trotzdem lieb. Wenn Frauchen mal hoch zu Pferde sitzt laufe ich lieb neben dem Pferd her. Pferde mag ich auch sehr gerne und noch lieber die Pferdeäpfel. Das ist mein einziges Laster im Freilauf.

Mit alten Dampfeisenbahnen bin ich auch schon gefahren. Der Qualm riecht nicht gut, aber sonst macht es viel Spaß. Ich fand es nur komisch dass es manchmal gar keine Fenster gibt. Was haben die bei Regen gemacht?

Wir waren auch schon in vielen Tierparks und Zoos. Mir gefallen die Affen und Erdmännchen immer am besten. Die Elefanten haben mir am Anfang etwas Angst gemacht da musste ich dann mal bellen, aber als der Elefant antwortete war ich lieber still. Auf Bauernhöfen finde ich die Schweine klasse, aber die anderen Tiere sind auch alle OK.

Freizeitparks finde ich eher langweilig und es ist mir etwas unheimlich wenn Frauchen so weit oben in der Luft schwebt. Ich gucke dann immer nach ihr und muss mich dann natürlich auch drehen damit ich sie wieder sehe. Ich warte aber ganz lieb an meinem Platz. Toll oder? Auf einer Kirmes war ich noch nicht, weil Frauchen sagt da könnten zu viele Scherben liegen. Aber ich denke da habe ich auch nichts verpasst. Dafür war ich schon auf Weihnachtsmärkten oder anderen Märkten. Da riecht es immer ganz toll.

Kino, Theater oder Musicals sind auch toll. Oft ist es da aber recht eng, aber es geht meistens dann doch.

Auch bei Ausstellungen oder im Museum war ich schon. Das macht immer viel Spaß, weil man sich die verschiedenen Sachen angucken kann. Am besten gefiel mir da der Dinopark. Die Dinos fand ich klasse und ich habe zu jedem hingeguckt wie die Menschen. Die waren nur alle sooo groß ich kam mir vor wie ein Zwerg.

Wir haben auch schon Schlösser, Burgen, Ruinen, Kirchen und Türme besichtigt. Das ist auch immer wieder toll, weil es mal was anderes ist. In dem einen Schloss mussten die Menschen Pantoffeln anziehen. Die sind komisch gerutscht lach. Ich durfte so laufen, war auch viel einfacher.

Auch bei Ritterspielen war ich schon. Echt komisch wie die Menschen da klappern und aussehen. Auch die Pferde sehen ganz anders aus, aber sie riechen wie Pferde >grins<.

Flugtage sind auch immer ganz spannend. Ich war sogar schon mal in einem kleinen Flugzeug drin, aber ich bin nicht geflogen. Den Tower habe ich auch schon besichtigt. Auch die ferngesteuerten Flugzeuge beobachte ich immer wieder gerne.

Mit den Kindern spiele ich gerne Fußball. Ich darf den Ball dann immer halten. Ich habe noch nie einen Ball kaputt gemacht, zumindest keinen der Kinder. Bei Sportfesten des Juniors würde ich am liebsten mitlaufen, aber Frauchen guckt auch nur zu und so mache ich es ihr gleich. Im zugucken bei Veranstaltungen bin ich eh klasse und die vielen Leute stören mich auch nicht und ich sie auch nicht. Oft sagen sie man würde mich gar nicht bemerken.

Ich war im Winter auch mit beim Schlittenfahren. Die Menschen sausen den Berg runter und ich tobe durch den Schnee. Die werden da ja richtig schnell. Schneeballschlachten mag ich auch gerne und ich finde es toll wenn die Kinder versuchen mich einzugraben und es dann doch nicht schaffen. Schlittenziehen mag ich nicht, aber das muss ich auch nicht.
Ich hab es mal versucht, aber das doofe Ding wollte nicht so wie ich es wollte.

Also ihr seht ich habe in den 2 Jahren schon viele tolle Sachen gemacht. Vielleicht unternehmt ihr ja auch sooo schöne Sachen mit eurem Hund? Das ist immer eine schöne Abwechslung für uns. Urlaube sind immer klasse. Da sind alle Wege neu und es wird viel gemacht. Ich fahre sehr gerne in den Urlaub und ihr?

Lieben Gruß
Nilo + Familie

Anja und ihr Hund Nilo

1997 bekam ich meinen ersten Blindenführhund. Er hieß Jackson und kam aus der Schule Seitle. Ich war mit Jackson sehr zufrieden. Leider musste ich ihn 2003, wegen Krebs, im Alter von 8 Jahren einschläfern lassen. Nun habe ich seit Mai wieder einen Blindenführhund aus der Schule Seitle. Ich möchte nun mal etwas aus der ersten Zeit mit Nilo, meinem Hund, berichten.

Nilo wurde am 11.12.2002 geboren. Er ist ein brauner Labrador. Aufgewachsen ist er in einer Patenfamilie und in der Schule Seitle wurde er zum Blindenführhund ausgebildet.

Nach 7 langen Monaten ohne Hund habe ich nun am 10.05.2004 Nilo bekommen. Wir sind alle zusammen, mein Mann, meine beiden Kinder und ich nach Bayern gefahren. Wir kamen gegen 13:30 Uhr an. Etwa 15 Minuten später, also gerade bei der Zimmerbesichtigung, wurde mir Nilo von der Ausbilderin schon gebracht. Nach dem Kennen lernen machten wir gleich unseren ersten Gang. Erst gingen wir nur ein Stück an der Leine und dann schon ein Stückchen im Geschirr. Nilo blieb von diesem Zeitpunkt an immer bei mir. Die nächsten 10 Tage trainierten wir morgens und mittags. Erst waren es nur leichte Wege, aber sie wurden immer schwerer. Es wurde in Neuburg und in Ingolstadt trainiert. Wir fuhren auch Bus und gingen in verschiedene Geschäfte. Natürlich hat er auch immer vor und nach den Trainingseinheiten seinen verdienten Freilauf bekommen. Sein Verhalten im Restaurant konnten wir bei jeder Mahlzeit beobachten. Er legte sich unter den Tisch oder die Bank und rührte sich nicht mehr. Wenn den Kindern etwas herunter fiel merkte er es nicht einmal. Im Freilauf konnte ich dann gut das Verhalten mit anderen Hunden beobachten. Er wollte mit allen Hunden nur spielen. Alleine spielte er sehr gerne mit Stöcken, wie größer die Stöcke waren umso besser fand er es. Ich durfte auch recht schnell alleine mit ihm zum Freilauf gehen. Nilo hörte sehr schnell und gut auf mich. Die ersten 10 Tage vergingen wie im Flug. Dann kam auch schon die Abreise. Wir machten uns Gedanken wie es ihm im neuen zu Hause wohl gefallen könnte. Der Garten gefiel ihm gleich sehr gut und in der ersten Nacht gab es dann auch keine Probleme. Nach dem Wochenende fand dann der Unterricht für die nächsten fünf Tage in unserer Umgebung statt. Für Nilo war jetzt alles völlig fremd, aber es machte ihm nichts aus. Wir fuhren oft mit dem Bus oder dem Zug. Nilo legte sich still hin und stand erst wieder am Ziel auf. Er lebte sich schnell ein. Bei den Spaziergängen oder in den Pausen redeten wir viel über Hunde. Ich konnte noch viel Neues lernen obwohl ich mit Hunden aufgewachsen bin. Nilo versteht sich mit allen Menschen und Tieren. Besonders liebt er Kinder. Ein Haushalt ohne Kinder ist nichts für ihn. Es war sehr gut für die Bindung, dass die ersten Tage am Ort der Schule statt fanden und der Rest bei uns. So musste ich mich blind auf meinen neuen Begleiter verlassen und er am Heimatort auf mich. Das hat uns zusammengeschweißt.

Als die Einweisung dann beendet war, waren wir auf uns gestellt. Wir konnten bei allen Fragen immer anrufen oder mailen und haben Hilfe bekommen. Wir haben jeden Tag weiter geübt und sind jetzt zu einem sehr guten Team geworden. Viele Leute denken, dass ich Nilo schon sehr lange habe.

Nach etwa 2 Monaten hatten wir dann unsere Gespannprüfung. Wir haben sie ohne Probleme gemeistert. Auch sind wir, für Nilo, einen völlig fremden Weg gegangen; auch dort zeigte er keine Unsicherheit. Ich habe einen Weg mit bus- und Zugfahrt, Ampeln, Zebrastreifen, Briefkasten, Kaufhaus, Fußgängerzone und Baustelle ausgesucht.

Jetzt haben wir ihn fast 6 Monate und wir können uns ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Er ist zu einem richtigen Familienmitglied geworden. Auch nehmen wir ihn überall hin mit. Es gab noch nie mit ihm Probleme. Klar testet jeder Hund mal was er darf und was nicht, aber bei Nilo kommt das nur sehr selten vor. Was ich bei ihm auch ganz beeindrucken finde ist, dass er im Freilauf nichts frisst. In unserem Garten frisst er schon mal das Obst vom Boden, aber ansonsten frisst er nichts im Freien. Das liegt an der guten Erziehung der Patenfamilie, weil eigentlich sind Labradore ja sehr verfressen und es ist doch recht schwer in den Griff zu bekommen. Für mich steht fest, dass ich immer wieder einen Hund bekomme und wenn es geht auch wieder von der Schule Seitle.

Anmerkung der Blindenführhundschule Seitle:
Die Gespannprüfung fand in Elz und in Limburg an der Lahn statt. Gespannprüferin war Frau Dr. Buttlar.

Anja und Nilo in der Schule

Gestern war ich zum ersten Mal mit Nilo in einer Schule. Ich war schon sehr aufgeregt, da es Nilos erster Schulbesuch war und ich nicht wusste wie er reagiert.

Wir besuchten die Klassen 3 a und b. Insgesamt waren es 37 Jungen und Mädchen und zwei Lehrerinnen. Wir wurden von den Kindern am Haupteingang abgeholt. Wir folgten den Kindern in den Klassenraum wo Nilo erst einmal meinen Stuhl suchen sollte und ihn auch recht bald fand. Die Kinder setzten sich um uns herum. Ich erzählte den Kindern etwas über Blindheit und zeigte ihnen Spiele, eine sprechende Uhr, eine andere Uhr, verschiedene Bücher, eine Schreibmaschine, den Blindenstock und noch einiges mehr. Danach durften sie Fragen stellen und Nilo streicheln. Nilo genoss die vielen Streicheleinheiten. Er war völlig ruhig und ihm machten die vielen Kinder nichts aus.

Danach wollten die Kinder noch sehen was Nilo so alles kann. Er suchte die Tür des Klassenraumes und die Kinder dirigierten uns über den Schulhof. Sie lenkten uns links und rechts. Auch standen noch andere Hindernisse wie eine Tischtennisplatte, Rutsche, Schaukel und noch einiges mehr herum. Sie wollten dann noch wissen wie eine Bank angezeigt wird. Nilo suchte sie und zeigte sie korrekt an. Eine Treppe und noch einige Türen zeigte er auch. Wir liefen dann zur Straße, weil es die Kinder brennend interessierte wie wir die Straße überquerten. Wir taten dies und liefen etwas auf der anderen Seite entlang und wieder zurück.

Nilo fand dann ganz alleine das Klassenzimmer wieder. Trotz der vielen Kinder machte er seine Arbeit perfekt. Er ließ sich nicht ablenken, obwohl die Kinder auf allen Seiten waren, manchmal sogar vor uns. Den Kindern, den Lehrerinnen, Nilo und mir hat es riesigen Spaß gemacht. Die Lehrerinnen sind der Meinung, dass die Kinder diese Zeit nie vergessen werden. Nilo und ich werden gerne wieder in Schulen gehen und zeigen was wir können und die Kinder informieren.

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