Angelika und ihre Hündin Fanny

Bericht aus dem Eichstätter Kurier vom 22. Juli 2005

Fanny ist auch ein kleines Kommunikationswunder
Angelika Scherupp mit Eichstätts einzigem Blindenführhund unterwegs / „Des pack’ ich schon“

„Such den Ausgang“, „such den Eingang“, „links“, „rechts“ – das sind die Worte, die Angelika Scherupp derzeit wohl am meisten über die Lippen kommen. „Befehlsempfängerin“ ist Fanny, eine zweijährige Labradorhündin mit intensiver Ausbildung zum Blindenführhund.
Seit gut zwei Wochen geleitet Fanny die 54-jährige schwerst Sehbehinderte durch die Straßen und Gassen der Stadt. Fanny ist der einzige Blindenführhund in Eichstätt.

Stolperfallen und Hindernisse

Die erste Zeit immer mit im Schlepptau: Maria Seitle, aus deren Hundeschule in Neuburg die Labradorhündin kommt. Hier wurde Fanny auch etwa acht Monate geschult, bis sie reif war für ihre schwere Aufgabe. Denn Eichstätt sei zwar optisch wohl schön, wie Angelika Scherupp betont, aber nicht gerade behindertenfreundlich. Stolperfallen und Hindernisse gibt es etliche, und über diese muss Fanny ihr neues „Frauchen“ möglichst sicher führen.
Drei Wochen dauert im Regelfall die Begleitung durch Maria Seitle: Es werden alle wichtigen Routen in der Stadt abgegangen – am Schluss muss Fanny den Weg in die Kirche, zum Arzt oder zum Metzger möglichst „blind“ finden. Labradore seien ideale Führhunde, so Seitle, die mit ihrem Mann schon knapp 200 Blindenhunde ausgebildet hat: gelehrig, aggressionslos, freundlich und vor allem nervenstark. „So wie bei Lassie ist das hier aber nicht“, klärt Seitle auf. Das Vertrauensverhältnis müsse hart erarbeitet werden.
„Es ist ein Kampf“, fügt Angelika Scherupp an. Gerade die erste Woche war schwer: „Das schaff’ ich nicht“, habe sie gedacht. Mittlerweile laufe es von Tag zu Tag besser, sagt die von Geburt an fast blinde Frau, die sich den Weg bisher mit dem berühmten weißen Stock gebahnt hat. „Einen Hund wollte ich schon immer“, erzählt sie. Es sei aber nie dazu gekommen.
Jetzt hat sie dann doch den Schritt gewagt, einfach weil Angelika Scherupp mehr Bewegung wollte. Und dafür sorgt Fanny: „Ging ich früher mit dem Stock recht traurig vor mich hin“ – und zwar nur die allernötigsten Wege –, ist mittlerweile auch die kleine Altmühlrunde drin. „Das hätte ich mich sonst nie getraut“, so Scherupp, seit über 30 Jahren Telefonistin im Landratsamt. Als nächstes steht auch mal ein Ausflug zum Seminarweg an. Für die gebürtige Domstädterin einst unerreichbares Terrain.
Und dabei entpuppt sich Fanny auch als kleines Kommunikationswunder: Machten bisher die Menschen eher einen Bogen um die stockklappernde Frau mit der auffälligen, orangefarbenen Brille, kommen jetzt plötzlich mehr und mehr Gespräche vor allem auch mit anderen Hundebesitzern zustande. Für Angelika Scherupp ist das ein gewaltiges Stück Lebensqualität mehr. Die anfängliche Skepsis sei einer gewissen „Erleuchtung“ gewichen: „Des pack’ ich schon.“

Prominente Kundschaft

In den nächsten Tagen ist der Job von Maria Seitle (deren Hundeschule auch so prominente Kundschaft wie die FC Bayern- Bosse Uli Hoeneß oder Karl- Heinz Rummenigge mit „normalen“ Labradoren versorgt) vorläufig beendet. Natürlich werde sie aber noch ab und zu nach Eichstätt schauen, um Angelika Scherupp weiterhin zu unterstützen. Rund 20 000 Euro kostet der Hund samt Training. Für die Kosten kommt die Krankenkasse auf. Die nimmt dann auch eine Art Abschlussprüfung ab.
Wenn alles klappt, wird Fanny Angelika Scherupp die nächsten zehn Jahre begleiten: Labradore werden bis zu 13 Jahre alt. Ein kleines Problem gilt es aber noch zu überwinden: Der Katze, die Angelika Scherupp daheim hat, ist der neue Mitbewohner noch nicht so ganz geheuer. „Die geht Fanny lieber aus dem Weg.“ Zu befürchten hat sie aber nichts. Denn Labradore, so versichert Maria Seitle, tun eines gewiss nicht – zubeißen.

Heike und ihr Blindenführhund Besse

Meinen ersten Führhund – ein Deutscher Schäferhund – bekam ich 1997. Aufgrund einer Allergie und eines Hüftleidens musste ich ihn leider „in Rente“ schicken. Im Mai 2004 bekam ich nun meinen zweiten Führhund – einen blonden Labrador – von der Führhundeschule Seitle. Beide Hunde verstehen sich prima.
Sein Name ist Besse, er ist am 01.01.2003 geboren. Die 15 Tage Einschulung fanden bei mir am Wohnort statt. Besse benahm sich in der fremden Heike und BesseUmgebung vorzüglich, zeigte auf Anhieb Bordsteine, Ampelpfosten, Briefkästen, Eingangstüren, Bänke und alle sonstigen notwendigen Dinge des Lebens korrekt an.
Was ich am meisten bewundere ist der Unterschied im Verhalten des Hundes wärend seiner Freizeit oder bei der Führarbeit. In der Freizeit ist er sehr verspielt, wenn kein Kumpel zum spielen da ist, findet er auch alleine seine Beschäftigung. Er kommt aber spätestens beim zweiten Kommando „Hier“ zu mir zurück. Auch so schaut er bei unseren stundenlangen Spaziergängen immer wieder bei mir vorbei, mit der Hoffnung es könnte ja ein Leckerchen geben.Heike und Besse
An dieser Stelle ein grosses Lob an die Ausbilder !!!
Sobald es an die Arbeit geht lässt er sich ruhig das Geschirr anlegen und läuft aufmerksam, konzentriert, offen und mit freudig erhobenem Schwanz voran.
Unsere Gespannsprüfung hatten wir vor 2 Monaten in einem für uns völlig fremden Gebiet. Sie dauerte ca. 1 1/2 Stunden. An der ersten Ampel war ich noch nervös, aber dann lief es wie geschmiert.
Vielen Dank an Fam. Seitle und alle Ausbilder für die Mühe, die sie sich mit den Hunden geben.Heike und Besse

Anmerkung der Blindenführhundschule Seitle: Die Gespannprüfung wurde in der Innenstadt von Nürnberg durchgeführt. Gespannprüfer war Herr Mazloum.

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