Erfahrungsberichte von Menschen, für die wir Blindenführhunde ausgebildet haben.

U.. mit „Lex“ aus dem südlichen Schwarzwald

Rückblick nach einem knappen Jahr

nachdem die Kasse endlich den Blindenführhund bewilligt hatte, haben wir uns an die fünf im Bewilligungsbescheid genannten Führhundeschulen gewandt (zwei davon arbeiteten nicht mehr als solche) – und haben diese drei besucht. Durch private Kontakte rannte ein guter Ruf der Blindenführhundeschule Seitle voraus, den ich aber in Gänze bestätigt sah, was auch zu der Entscheidung führte, meinen Blindenführhund von Seitles zu „beziehen“.

Im telefonischen Erstkontakt, der sehr ausführlich und freundlich kompetent war, vereinbarten wir einen Kennenlerntermin bei Seitles direkt. Hier nahmen sich beide sehr viel Zeit, um von der Schule, der Ausbildung, den Hunden, der Zucht…. zu erzählen, aber auch um Raum zu lassen all meine/unsere Fragen zu beantworten. Ich/wir fühlten uns sehr gut beraten und gehört mit allen Fragen. Ich bat mir noch etwas Bedenkzeit aus, und bestätigte dann telefonisch meinen Wunsch, meinen Hund von Seitles bekommen zu wollen. Auch auf den Wunsch der Rasse wurde wohlwollend eingegangen. Ich hatte den Wunsch nach einem Königspudel.  Seitles erzählten, dass ein großer Wurf Labradoodles gerade bei den Patenfamilien sei und evtl. hieraus einer für mich sein könnte. Daraufhin informierte ich mich über die Labradoodles und verliebte mich in sie. Auch kam Herr Seitle zu mir nach Hause, um Wohnumfeld, Wohnsituation, Lauftempo, persönliche Charakteristika meinerseits besser einschätzen zu können, um so die Entscheidung welcher Hund zu mir kommen sollte besser treffen zu können, wenn der Zeitpunkt dann gekommen sein sollte.

Die Entscheidung Lex, „mein“ schwarzer Labradoodle und mich zu einem Gespann zu formieren hätte besser nicht ausfallen können. Ich empfinde uns als ein perfektes Duo, von Anfang an – und das hat sich bis heute nicht verändert. Hier bin ich davon überzeugt, dass sowohl die Menschenkenntnis und der Hundesachverstand von Seitles zu dieser wunderbaren Entscheidung geführt hatten.

Als dann klar war, welcher Hund für mich und wann die Einschulung beginnen kann, bat ich um ein Foto vorab vor Lex, denn ich war natürlich superneugierig und über den großen Bildschirm und meinem geringen Restsehwert konnte ich mir aber doch ein Bild machen. Und dann wuchs die Spannung, bis endlich der Termin da war, an dem wir uns kennen lernen durften. Es war super aufregend. Frau Seitle kam mit Lex in die Pension, in der ich wohnte und ich hatte ein so gutes Gefühl. So lange hatte ich auf den Führhund gewartet – und so eine tolle Ausstrahlung hatte Lex, vom ersten Moment an – und auch ich hatte das Gefühl umgekehrt, er war mir von Anfang an sehr zugewandt.

Die Einschulung verlief fabelhaft. Ich war immer mit Frau Seitle unterwegs, die mir alles zeigte, was ich wissen musste und darüber hinaus, alles was ich wissen wollte, oder auch Herausforderungen, die ich erleben wollte, um bei aufkommenden Unsicherheiten, direkt korrigieren oder intensiver trainieren zu können (beispielsweise alleine mit Lex  Zug- und Busfahrten. Es entwickelte sich rasch eine gute Bindung zu Lex und es verging wenig Zeit, bis ich für ihn die wichtigste Bezugsperson war. Die Gespannsprüfung verlief sehr positiv, auch wenn ich sehr aufgeregt war, im Vorfeld. Als wir dann liefen, war eigentlich alles gut. Mir war es fremd, die Prüfer zuvor nicht zu begrüßen oder kurz kennen gelernt zu haben, bevor es losging, auch wenn ich die Argumentation, dass der Hund nicht abgelenkt sein sollte einsichtig fand. Aber das hat sich dann bei dem Auswertungs- und Abschlussgespräch aufgelöst.

Ich arbeite als musikpädagogische Fachkraft in verschiedenen Kindertagesstätten (Lex ist mit vier Kindern in einer Patenfamilie groß geworden) – auch dort ist er sehr willkommen und wird als pädagogischer Mitarbeiter inzwischen angesehen. In Kinderkonferenzen erkläre ich, was ein Blindenführhund ist, welche Aufgaben er hat – und welche Regeln es gibt, wie man sich ihm gegenüber zu verhalten hat, damit er so cool bleibt, wie er eben ist.

Nun ist er bald ein Jahr bei mir und wir sind ein echt gutes Team geworden, ich habe ihn gut kennengelernt in fast allen Lebenssituationen, die man so erleben kann (geflogen sind wir noch nicht) – aber sonst haben wir alles bereits zusammen erlebt und wir wissen, wie wir ticken. Er hat die Differenzierung zwischen Führarbeit und Freizeit gut raus, – manchmal, aber selten, muss ich ihn daran erinnern, dass er am Arbeiten ist. Dann ziehe ich kurz an der Leine und sage: Hey Lexi, du arbeitest…“ und dann geht’s gut weiter.

Zu Weihnachten, als die Stadt so voll war, fand ich, dass er sich manchmal durch alles Mögliche leicht ablenken ließ. In der eigenen Reflexion musste ich aber auch feststellen, dass ich selbst zunehmend super genervt bin, wenn so viele Menschen auf einen Haufen sind und dann auch noch so gestresst und egoistisch. Manchmal denke ich, dass Lexi meine Gefühle so extrem wahrnimmt, dass da eine ganz intensive Übertragung stattfindet, so als ob er wüsste, es wäre jetzt für mich besser in die Straßenbahn zu steigen und wieder heim zu fahren, was am Stadtrand liegt.

Was auch richtig gut ist, am Anfang war es natürlich mehr, wenn irgendwelche Fragen aufgetaucht sind, konnte ich immer bei Seitles anrufen und einen hundefachlichen Rat bekommen, wie ich mich in der ein oder anderen Situation verhalten soll, was für die Anfangszeit ein sehr hilfreiches Angebot ist und auch ja jetzt noch immer als Angebot zur Verfügung steht. Das gibt ein großes Gefühl der Sicherheit.

Ich bin mit der Betreuung durch die Familie Seitle mehr als sehr zufrieden und noch größer ist mein Glück mit Lex, der perfekt für mich ausgesucht wurde. Wir sind jetzt bald ein Jahr ein Gespann und der erste Winter mit ihm, die lange Phase der Dunkelheit – wird durch seine Führkompetenz enorm erleichtert. Er vermittelt mir das Gefühl, dass es für mich keine Hindernisse mehr gibt, den Lex erkennt diese und führt mich sicher daran vorbei. Auch an Pfützen, die Zeit der nassen Schuhe und Füße ist vorbei! Aber vor allem die Zeit der Unsicherheit ist vorbei. Es ist ein Geschenk, einen solchen Hund zu haben!

 

U… mit Lex aus dem südlichen Schwarzwald

Martin mit „Sam“

Martin mit Sam schreibt:

Über den Wunsch nach einem Goldendoodle als Blindenführhund für mich stießen meine Frau und ich im Internet auf die Seite der Blindenführhundschule Seitle. Nach einem Telefonat zwecks Austausches verschiedener Informationen beiderseits boten Wolfgang und Maria Seitle einen Besuch bei uns an und kamen dann relativ bald aus Bayern zu uns nach NRW und schauten sich unsere Verhältnisse und mich, den extrem sehbehinderten Menschen, genau an. Wolfgang Seitle versprach, sich verstärkt nach einem genügend großen Hund für mich 2 Meter-Mann umzuschauen.

Schon ein knappes halbes Jahr später wurden wir eingeladen, „unseren Hund“ anzuschauen und kennen zu lernen.

Bei unserem Besuch in Neuburg waren wir auf Anhieb begeistert von Sam, einem bildhübschen blonden Goldendoodle. Wir waren mindestens ebenso erfreut überrascht zu hören, dass wir Ihn zwei Monate später dann schon als voll ausgebildeten Führhund haben könnten, nachdem er schon ein Jahr in einer ausgewählten Patenfamilie grundausgebildet und in der Blindenführhundschule auch schon vier Monate trainiert worden war.

Dank eines entsprechenden ärztlichen Gutachtens und der notwendigen Formalitäten in Bezug auf Übernahme der Kosten durch Beihilfe und Versicherung konnten wir dann zügig einen Termin für die Einschulung in Neuburg vereinbaren.

Die zwei Wochen mit Sam im Hotel waren eine wunderbare Erfahrung und die beste Möglichkeit, vom ersten Tag an „zusammenzuwachsen“.

Die täglichen zweimal 90 Minuten mit Maria Seitle als unserer Trainerin waren intensiv und anstrengend für alle Beteiligten, aber mit Marias Hilfe und Fürsorge lernten wir zum einen die wunderbar geeignete „Trainingsstadt“ Neuburg kennen, zum anderen konnte Sam zeigen, wie hervorragend er zum Führhund ausgebildet war. Absolut zuverlässig und mit zum Teil stoischer Gelassenheit führte er mich um alle Hindernisse und an allen Tücken der Altstadt vorbei und durch den lauten Straßenverkehr der Neustadt hindurch. Bus – und Bahnfahren in Ingolstadt und lange Aufenthalte in großen Einkaufszentren waren für Sam eine Selbstverständlichkeit und ließen mich zunehmend mehr und mehr Vertrauen in ihn haben. Abends waren wir dann beide immer rechtschaffen müde nach der circa 12 km täglichen Wegstrecke.

Die bald darauf anschließende Woche Training in unserer Kleinstadt in Ostwestfalen war eben – so intensiv, aber nicht ganz so anstrengend, da die Zahl der Hindernisse und Tücken deutlich geringer ist als in Neuburg an der Donau.

Inzwischen kennt Sam jeden meiner üblichen Wege in und durch die Stadt und führt mich auf Kommando zu bestimmten Plätzen und Geschäften und vor allem auch sicher von überall her nach Hause.

Sam leistet mir im Alltag unschätzbare Dienste, ist ein wunderbarer Hausgenosse und wird von allen bewundert und bestaunt für seine Klugheit und Schönheit.

Mein besonderer Dank gilt Wolfgang und Maria Seitle für diesen großartig ausgebildeten Hund

Marion, Gustav und „Jerome“

 Hallo, Ihr Lieben!

Jetzt ist es ja schon bald ein Jahr her, daß Jerome bei mir eingezogen ist. Wie Ihr wisst, wollte ich wieder einen Labrador. Pudel – war gar nicht in meinen Gedanken – und eigentlich konnte ich mich mit einem Pudel gar nicht vorstellen. Aber, man soll ja nie nie sagen. Ich glaube auch, Jerome hat sich mich ausgesucht und nicht umgekehrt.

In der Zwischenzeit muss ich meine Vorbehalte gegenüber Pudel total revidieren. Ich habe das Gefühl, wir waren vom ersten Tag an ein tolles Team. Er hat sich mir sofort anvertraut und umgekehrt,  ich konnte mich ihm auch sofort anvertrauen. Er hat mich die Wege, die ich gehen muss, von Anfang an sicher geführt. Wege, die wir einmal gegangen sind hat er sofort perfekt abgespeichert. Man hat das Gefühl, er kennt sich einfach gut aus und weiss wos lang geht.

Im Sommer waren auf dem Weg zur Arbeit immer wieder Baustellen (Hausbau) und oft war mir nicht klar wo ich gehen kann, weil die Kreuzung oder der Gehsteig blockiert war. Mein Mann konnte mir nicht helfen er war im Krankenhaus bzw. Reha. Oft war es so laut, daß ich auch nicht hören konnte wo ich Jerome hinschicken soll. An einem Morgen standen mindestens 3 oder 4 Transmixe da und blockierten alles. Ich gab Jerome das Komando zur Arbeit – und irgendwie fand er den Weg durch die LKWs und wir kamen sicher an.

Ein anderes Mal kam ich von der Arbeit und geriet in eine Feuerwehrübung. Feuerwehrautos standen überall, Schläuche lagen am Boden … und es war ziemlich laut. Auch hier fand Jerome einen sicheren Weg nach Hause. Später wurde meinem Mann davon berichtet wie sicher Jerome den Weg fand.

Er ist mir zu einem richtig guten Begleiter geworden.

Auch in der Freizeit haben wir  viel Spaß mit Ballspielen oder Stöckchen werfen. Er könnte stundenlang spielen. Nur ins Wasser geht er nicht.

Es gäbe noch viele Dinge zu berichten, aber Ihr spürt, daß wir ein richtig gutes Team geworden sind.

Nun wünsche ich Euch ein wunderschönes und gesegnetes Weihnachtsfest und für das neue Jahr alles Gute und weiterhin so viel Freude mit den Hunden.

Grüßle

Marion, Gustav und Jerome

Johanna mit „Buddy“

Am 13. Oktober vor drei Jahren kam ich zu Euch, um meinen Buddy kennenzulernen und ihn als meinen Helfer im Alltag mitzunehmen. Nun sind wir ein sehr gut eingespieltes Team und er hat seine Kindertage hinter sich. Als Blindenführhund  ist er für mich nahezu perfekt, als Privathund ist er ein wunderbarer Lebensgefährte. Er ist noch sehr temperamentvoll und äußerst liebenswürdig seiner Umwelt gegenüber.

Liebe Maria und lieber Wolfgang hier aus Paderborn grüße ich Euch ganz herzlich und denke an die Tage in Bayern bei Euch und die Woche, die ich mit Dir, liebe  Maria, hier in Paderborn verlebt habe.

Mit diesem Hund hat mein Leben wieder eine ganz neue Qualität bekommen.

Hoffentlich geht es Euch gut und Ihr könnt Euer Leben weiterhin so gestalten, wie Ihr  es Euch wünscht.

Ganz liebe Grüße aus Paderborn

Johanna – und sicher auch Buddy

Keine Maschinen! Erfahrungsbericht nach meiner dritten Führhundversorgung von Maria Sellmeier

Mittlerweile sind fast fünf Monate vergangen, seit ich meine dritte Einarbeitung mit Earl begonnen hatte, der von der Schule Seitle ausgebildet wurde. Jeder Hund ist komplett anders, was seinen Charakter betrifft, somit ist jeder Hund anders zu händeln. Gerade zu Beginn einer jeden Einschulung erwischt man sich dabei, dass man sich Gedanken macht, inwieweit der Neue dem Alten ähnelt, ob er einfacher oder schwieriger zu händeln sein wird und ob er in etwa gleich arbeitet, wie der alte Hund. Das bringt allerdings nichts, denn wenn es erst einmal soweit ist, sollte man alle Vergleiche über Bord werfen und sich ganz von vorn auf den Hund einlassen. Alles andere würde einen selbst und auch den Hund vermutlich überfordern. Für den Hund bedeutet die Einschulung bei seinem neuen Besitzer genauso Stress, wie für uns als zukünftige Halter. Keiner kennt den Anderen; der Hund wird beim Halter aus dem Auto geholt und da wird er nun die Zeit verbringen. Er wird einem völlig fremden Menschen anvertraut, kennt die Umgebung nicht und weiß dessen Ausdrucksweise bzw. Körpersprache nicht zu deuten. Wenn man sich das so überlegt, muss das sehr verwirrend sein. Earl durfte sich meine Wohnung in Ruhe anschauen, bis er sie bis in den letzten Winkel inspiziert hatte.

Wir können von den Führhunden nicht verlangen, dass sie sofort auf Knopfdruck „funktionieren“, wobei das Wort „funktionieren“ hier fehl am Platz ist, da ein Führhund nicht funktioniert. Er arbeitet zusammen mit seinem Blinden bzw. Sehbehinderten und das geht nur mit einer gut abgestimmten Kommunikation. Der Hund muss unsere Körpersprache, Stimmlage und Aussprache verinnerlichen, bis das Team Hund – Mensch als solches optimal harmoniert. Das bedarf einiges an Zeit und Training, das man sich und vor allem dem Hund eingestehen muss. Aus diesem Grund wird die Einschulung mit dem neuen Führhund auch auf drei Wochen veranschlagt, damit ausreichend Zeit zur Verfügung steht, sich auf den Hund einzulassen und mögliche Schwierigkeiten abgearbeitet werden können.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es dem Hund umso leichter fällt, in seinem neuen Zuhause anzukommen, desto klarer man mit ihm umgeht. Wenn man den Neuankömmling totredet, was er überhaupt nicht versteht, irritiert es ihn nur. Lieber wenige klare Worte in Form der Hörzeichen, die er gelernt hat und kennt. Je konsequenter die Zeichen gegeben werden, desto klarer werden für den Hund die Grenzen in denen er sich bewegen kann und darf. Earl ist damit sehr schnell bei mir angekommen. Er ist ein umgänglicher Hund, der sich stets rückversichert, ob das, was er gerade für und mit mir tut, in Ordnung ist. Er wendet sich dabei stets mir zu und im Gegenzug erhält er von mir ruhiges, freundliches Lob. Das motiviert ihn, es richtig gemacht zu haben und ermuntert ihn, in seinem Tun mit Freude weiter zu machen. Genauso wichtig ist aber auch die Korrektur, wurde etwas schlampig ausgeführt. Das gilt für die Führarbeit, ebenso wie für den Gehorsam. Dabei muss man nicht laut werden oder hektisch. Meistens reicht es völlig aus, dem Hund zu zeigen, was er übersehen hat oder wo er geschlampt hat und wiederholt es, was dann mit viel Lob quittiert wird, wenn es korrekt ausgeführt wurde.

Gerade Erstführhundhalter müssen sich von dem Gedanken verabschieden, dass der Hund, der er/sie bekommt, perfekt arbeitet. Kein Lebewesen, uns Menschen eingeschlossen ist perfekt. Man muss sich auf das Tier einlassen, seine Stärken und Schwächen kennen lernen und damit arbeiten. Auch der Hund muss mit uns auskommen, uns einschätzen lernen. Der beste Hund, vor allem Führhund kann nur so gut sein, wie sein Halter zu geben bereit ist. Eine Schule kann einen sehr guten Hund abgeben, der innerhalb kürzester Zeit vom Halter unbrauchbar gemacht werden kann, wenn das, was er gelernt hat, nicht angewendet, gefördert und ausgebaut wird. Das gilt auch für den Gehorsam. Je konsequenter ich als Führhundhalter mit  meinem Hund umgehe, ich nenne es immer liebevolle Konsequenz, desto leichter werde ich es haben, der Hund übrigens auch. Hunde testen in regelmäßigen Abständen, wie weit sie gehen können. Erkennt man das nicht und korrigiert es, wird man bald einen Hund haben, der einem auf der Nase herumtanzt und einen nicht mehr für voll nimmt. Was das betrifft, sind sie unheimlich schlau.

Auch kann man nicht immer wegen allem, was möglicherweise nicht so optimal läuft, die Führhundschule verantwortlich machen. Bei Earl hatte ich das Problem, dass wenn er im Freilauf etwas in der Nase hatte, sich regelrecht daran festgesaugt hat und dabei die Ohren auf Durchzug gestellt hat. Deswegen ist er kein schlechter Hund, den man sofort wieder zurückgibt. Man muss sich Alternativen überlegen, kreativ werden, wie man sich selbst für den Hund interessanter machen kann. Gerade bei einem Labrador ist das sehr einfach, weil er unheimlich auf Fressbares fixiert ist. Also habe ich mir kleine Wienerstückchen zum Spaziergang mitgenommen und siehe da, das ist etwas, für das es sich zu hören lohnt. Das meine ich mit Arbeit, die man gewillt sein muss zu investieren, will man sein Leben mit einem Führhund verbringen. Man wird das ganze Hundeleben lang an der Bindung zu seinem Hund arbeiten müssen, damit man ein gutes Gespann ist und bleibt. Aber das lohnt sich. Ich möchte mir ein Leben ohne Hund nicht mehr vorstellen wollen. Man bekommt so viel an Lebensqualität zurück, die man durch die Sehverluste einbüßen musste. Wer diesen Text liest und sich jetzt denkt, sie ist aber kritisch, der hat Recht. Ich habe schon zu viele Führhundhalter getroffen, die erwartet haben, einen perfekten Hund zu bekommen und dann ganz entsetzt waren, dass man ihnen sagte, sie müssten noch Arbeit investieren. Ich habe Führhundhalter kennen lernen dürfen, die von vielen Schulen in ganz Deutschland Hunde ausprobieren und jeden wieder zurückgeben, weil keine ihren Anforderungen entspricht. Wenn ihr euch für einen Führhund entscheidet, dann lasst euch darauf ein, hört auf das, was eure Trainer euch sagen, denn sie kennen euren Hund am besten. Gerade unter Führhundhaltern ist es hinreichend bekannt, das jeder alles besser weiß. Aber die kennen euren Hund nicht. Ihr müsst mit ihm agieren und nicht die Anderen. Sprecht bei Problemen die Schule an und lasst euch dort beraten. Probleme sind dazu da, offen angesprochen und erfolgreich behoben zu werden. Je mehr Leute da mitmischen, desto verwirrender wird es für alle Beteiligten werden. Leidtragender Nummer eins ist dabei leider immer der Hund.

Für mich steht jedenfalls fest, dass ich mit meinem Earl einen Glücksgriff gemacht habe. Er ist ein toller Hund. Das war mir schon in der Einschulung klar. Wir haben in den drei Wochen viel trainieren dürfen, waren in verschiedenen Städten unterwegs, sogar am Münchner Flughafen und den dortigen Englischen Garten besuchten wir. Wettertechnisch nahmen wir im Januar 2016 auch alles mit. Von Dauerregen, Glatteis, Schneesturm bis Sonne war alles dabei.

Ich möchte hier keine Leser entmutigen, sich für einen Führhund zu entscheiden, aber ich möchte zum Denken anregen, dass man sich nicht für die Maschine entscheidet, sondern für ein Lebewesen mit eigenständigem Charakter, auf das man sich einlassen muss, mit dem man arbeiten und kommunizieren muss, damit man sicher und freudig zusammen durchs Leben gehen kann. Man hat die Verantwortung für seinen Führhund, sein ganzes wundervolles Leben lang.

Blindenführhundschule Maria Seitle, die Führhundschule meines Vertrauens!

Im November 2008 habe ich von der Führhundschule Maria Seitle meinen dritten Führhund bekommen. Sein Name: Dino, ein brauner lebhafter und liebenswerter Labrador, der alle Wege, Reisen und Stunden im Büro hervorragend meistert. Wir haben seit 2008 unzählige glückliche und erfolgreiche Stunden miteinander verbracht, bis durch einen für Dino schlimmen Moment unser Glück getrübt wurde.

Er geriet beim Aussteigen aus dem Zug zwischen ICE und Bahnsteigkante. Das war eine Schrecksekunde für uns beide! Von da an konnte ich mit Dino nicht mehr ohne fremde Hilfe beim Ein- und Aussteigen mit IC oder ICE fahren und das, wo ich doch relativ häufig im Bundesgebiet unterwegs bin. Ich hoffte, es mit Liebe und Leckerlis selbst wieder hinzubekommen, aber weit gefehlt.

Das erste Mal musste ich eine Nachschulung in Anspruch nehmen. Eigentlich war mir das peinlich, aber Stolz war hier fehl am Platz und half Dino gar nicht. Also wandte ich mich an die Führhundschule Maria Seitle, trug mein Problem vor und bekam die erhoffte Hilfe. Wäre die Krankenkasse nicht so bürokratisch vorgegangen, hätte ich keine 3 Monate warten müssen.

Herr Seitle erkannte, dass Dino ein massives Problem hatte. Er versprach mir aber, es in den Griff zu bekommen. Wenn jeder sein Versprechen so halten würde wie er, wäre das Leben um ein vielfaches leichter. Er hat das Problem erkannt, die Gefahr gebannt und meinem Dino und mir eine große Last von der Seele genommen. Wir haben hier 5 trainings- und erfolgreiche Tage verbracht. Morgen fahren wir wieder mit einem guten Gefühl nach Hause. Wir können wieder entspannt reisen und das Leben genießen mit seinen guten und schlechten Seiten!

Danke für die prompte Nachbetreuung und das gute Gefühl, auch nach Jahren einer Hundeauslieferung noch ein wichtiger Kunde zu sein.

Karl-Heinz und sein Hund Corgy

Karl-Heinz und Corgy Sehr geehrte Familie Seitle,

Ich möchte Ihnen wieder einmal über unseren Schatz Corgy berichten. Er wird am 26.Dezember 8 Jahre alt. Er ist fit und gesund und munter. Mein Mann geht regelmäßig 3x und fast immer um die gleiche Uhrzeit mit ihm ca. 1 Stunde zügig spazieren. Corgy ist so anhänglich. Wir sind seine Familie. Wenn Karl-Heinz auf dem Sofa sitzt, liegt der Hund meistens unter seinen Beinen, möglichst mit Körperkontakt.

Die beiden sind sehr zusammengewachsen und in ganz Wüstenrot bekannt. Alle mögen diesen gut erzogenen Hund. Wenn wir mit Corgy wandern und er muß nicht führen, läuft er nach einer Weile immer zwischen uns (dies war von Anfang an so). Die Leute, die uns entgegenkommen, schmunzeln dann immer. Anfangs wollten wir ihn wegschicken aber er kam immer wieder zwischen uns. Inzwischen ist es uns ganz recht so. So brauchen wir ihn nicht zu rufen wenn Spaziergänger oder andere Hunde uns begegnen.
Vielleicht braucht er die Nähe?

Jetzt im September sind wir 8 Tage lang auf dem Eifelsteig von Aachen nach Hillesheim gewandert (160 km). Wir waren begeistert, wie gut Corgy das wieder geschafft hat. Er musste auf schmalen Stegen durch das Moor (das Hohe Venn) führen. Und er hat seine Sache vortrefflich gemacht. Ich lief hinter den beiden her. Seine Füßchen liefen und liefen. Er hatte kaum Platz auf den Bohlen. Auf schmalen Trampelpfaden nach oben zieht er Karl-Heinz richtig hoch. Die beiden waren die Schnellsten. Er war abends auch müde, wie wir; aber am nächsten Morgen war er wieder fit und freute sich auf das erneute Aufbrechen und konnte es kaum erwarten. Unterwegs schaute er  sich ab und zu nach mir (ich war meistens die Letzte) um und verzog sein Maul. Ich hatte den Eindruck, dass er lachte; kann das sein?

In einem Quartier bekam Corgy ebenfalls ein Lunchpaket für die Wanderung (Leckerlies, die wir ihm gut einteilten)!! Unser Freund und Mitwanderer und Corgy lieben sich ebenfalls.

Wie lange kann man einem Hund solche Strecken zumuten?

Mit Bekannten, die den Hund von Anfang an ablehnten, haben wir keinen Kontakt mehr. Wir haben gelernt, dass dies auf Dauer nicht funktioniert. Aber wir haben inzwischen andere, nette Menschen – mit und ohne Hund – gefunden.

Hoffentlich geht es Ihnen gut und es läuft alles, wie Sie es sich wünschen?Karl-Heinz und Corgy

Wir wünschen Ihnen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Wir danken Ihnen für den tollen Hund.

Freundliche Grüße senden Ihnen
Martina und Karl-Heinz

Sowas wie die Frieda war noch nie da!

Die erste Begegnung

Die Entscheidung, mir einen Blindenführhund an die Seite zu holen, war ein Herzenswunsch, den ich schon als Kind hatte. Damals war es die Schäferhündin Alice, die mich faszinierte. Sie war der Führhund eines blinden Mannes, der an unserer Schule arbeitete.

Nach ausführlicher Recherche und dem Abwägen von Für und Wider eines Blindenführhunds besuchte ich im Sommer 2010 die Führhundschule Seitle, wo ich meinen zukünftigen Hund Frieda, eine schwarze Labradorhündin von eineinhalb Jahren, kennenlernte. Unser erster Kontakt bestand darin, dass sie mich von hinten ansprang und um mich herumhüpfte. Frau Seitle, die mich durch das Grundstück der Schule führte, bezeichnete Frieda zunächst als eine „richtige Hex“, aber auch als sehr freundlichen und eben auch sehr lebhaften Hund. Weiterhin erfuhr ich, dass sie noch am Anfang ihrer Führhundausbildung sei und noch keinen Abnehmer habe. Wenn ich also wollte und ich die Kostenübernahme der Krankenkasse zugesichert bekäme, könnten Frieda und ich in einem halben Jahr als Gespann durch die Gegend laufen. Von meiner Seite war die Entscheidung an diesem Tag gefallen.

 

Erste Schritte

Sechs Monate später erfolgte dann die Einschulung für Frieda und mich in Neuburg an der Donau. Bei einem ersten Hundespaziergang erklärte mir meine Trainerin Julia alles Wichtige für die nächste Zeit und beantwortete geduldig und kompetent meine Fragen. Dann durfte ich Frieda zum ersten Mal das Führgeschirr anlegen und wir versuchten ein paar Schritte, angeleitet von Julia. Es war ein seltsames Gefühl und ich war beim besten Willen nicht in der Lage, entspannt zu laufen, zu groß war die Angst, Frieda auf die Pfote zu treten oder sie aus dem Konzept zu bringen. Sie hingegen meisterte die neue Situation gekonnt und mit Geduld, wofür sie viel Lob und einige Leckerli erntete.

 

Gutes Bord und blödes Bord

Am nächsten Tag, nachdem sich das Gefühl, hinter einem Hund am Führbügel zu laufen nicht mehr allzu befremdlich anfühlte, trainierten wir in einer Wohnsiedlung in Ingolstadt. Diesmal übten wir, wie man sich an Bordsteinen verhält. Der Hund muss Bordsteinkanten anzeigen, indem er kurz davor stehenbleibt. Das hört sich einfacher an, als es tatsächlich ist, denn oft sind Gehsteigkanten so abgeflacht, dass der Hund sie nur sehr schwer erkennen kann. So hatte natürlich auch Frieda das Eine oder Andere Mal ihre Schwierigkeiten, zumal sie sich ja zusätzlich auch an ihr neues, noch unsicheres Anhängsel, nämlich mich, gewöhnen musste. Als wir wieder einmal eine sehr flache Kante passierten, ohne dieser auch nur die geringste Beachtung zu schenken, und Trainerin Julia uns energisch stoppen musste, sagte ich zu Frieda: „das konntest du ja fast nicht erkennen, das war ein blödes Bord!“. Aber diese Ausrede ließ Julia nicht gelten und so übten wir solange an dieser Kante, bis Frieda und ich sie perfekt meistern konnten. Es ist wichtig, nicht die Geduld zu verlieren, wenn Fehler passieren, sei es von Seiten des Hundes oder des Menschen. Dann kommt es darauf an, Ruhe zu bewahren, in die Ausgangssituation zurückzukehren und noch einmal von vorne zu beginnen. Hinterher darf natürlich ausgiebiges Lob für den Hund nicht fehlen.

Seit diesen Trainingsstunden gibt es für mich jedenfalls nicht mehr die Einteilung von hohen oder flachen Bordsteinkanten, sondern nur noch „gutes Bord“ und „blödes Bord“, ein bisschen Blödsinn muss erlaubt sein 🙂 Mag man diese Kanten im Stillen bezeichnen, wie man will, solang man Frieda ihre gewohnten Hörzeichen gibt, macht sie ihre Sache hervorragend!

 

Frieda hält mich gesund

Es ist ja gemeinhin bekannt, dass Hunde viel Auslauf brauchen, so muss man täglich mehrmals mit ihnen an die frische Luft. Schon alleine diese Tatsache würde ausreichen, um mein Bewegungspensum enorm zu steigern, denn ich will meinem Hund, und somit auch mir,  ausgiebige Spaziergänge gönnen. Aber nicht nur auf unseren täglichen Spaziergängen, sondern auch im Führgeschirr legte Frieda ein beachtliches Tempo vor und zeigte ihr Temperament. Dabei arbeitete sie aber wie immer hoch konzentriert und umging alle Hindernisse, auch solche, die nicht für sie, wohl aber für mich gefährlich werden konnten, wie herabhängende Äste oder Schilder in Kopfhöhe. Mit einem „Langsam“ konnte man ihr Tempo auch etwas zügeln, was ich vor allem dann in Anspruch nahm, wenn wir eine längere Anhöhe zu passieren hatten. Man muss also keine Angst haben, dass man seinem Hund nicht hinterherkommt, denn der Mensch hat das letzte Wort und gibt das Kommando. Mir ist Friedas schneller Schritt jedoch ganz recht, dadurch erhoffe ich mir eine bessere Ausdauer und auf lange Sicht das eine oder andere Pfund zu verlieren. Außerdem bekommt man gute Laune, wenn man beobachten kann, wie ausgelassen Frieda bei den Spaziergängen herumtollt. Mit einer Schelle, die sie dann am Halsband trägt, kann man sie weithin hören.

 

Frieda, lauf heim!

Eigentlich wurde ich auf den Hundespaziergängen entweder von Trainerin Julia oder Frau Seitle begleitet. Eines Abends traf es sich jedoch, dass beide verhindert waren und so ging ich denn das erste Mal alleine mit Frieda Gassi. Im Notfall könne ich jedoch bei Seitles anrufen und in zehn Minuten sei jemand hier um zu helfen. Mit dieser Versicherung von Frau Seitle und einigen Leckerli im Gepäck zogen wir also los. Ich wollte meine Sache besonders gut machen und Frieda extra lange laufen lassen, hatte sie doch heute ihre Sache beim Training wieder einmal sehr gut gemacht. Der Weg ist ja auch wirklich einfach, dachte ich bei mir, da hast du schon ganz Anderes gemeistert. So ging auch alles gut, bis ich in der Ferne einige Reiter hörte, da hielt ich Frieda lieber am Halsband fest und stellte mich an den Straßenrand, bis die Pferde nicht mehr zu hören waren. Doch nun wusste ich nicht mehr, aus welcher Richtung ich gekommen war. Also ging ich einfach weiter, in der Hoffnung, auf dem Rückweg zu sein. So sah es zunächst auch aus, doch irgendwann hatte ich mich so verfranzt, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, wo ich war. So nahm ich Frieda kurzerhand ins Geschirr und sagte: „Frieda, lauf heim, ich brauch jetzt deine Hilfe!“ Zielstrebig ging Frieda drauflos. Aus irgendeinem Grund dachte ich jedoch, dass es genau die falsche Richtung sei und dass sie einfach nur gern weiter spazieren laufen wollte. So schickte ich sie in die entgegengesetzte Richtung weiter, bis mir auch das spanisch vorkam. Da wurde es Frieda zu dumm. Energisch drehte sie sich um, und ich mich mit ihr. Ich beschloss jetzt, ihr zu vertrauen und das sagte ich ihr auch. Ihr zügiger, sicherer Gang und die Bestimmtheit, mit der sie kehrt gemacht hatten, überzeugten mich, dass sie wusste, wohin sie sollte. Tatsächlich gelangten wir wenig später wohlbehalten an dem Hotel an, in dem wir beide für die Einschulung untergebracht worden waren. Ich war unglaublich stolz auf meine kluge Frieda, die meine Aufregung gespürt haben musste und trotz widersprüchlicher Befehle genau das Richtige getan hatte.

 

Ampeln sind klasse!

Schon bald merkte ich, dass es Frieda unglaublichen Spaß bereitet, Dinge anzuzeigen. In ihrer Ausbildung lernen Führhunde, auf Befehl Bänke, Treppen oder Zebrastreifen aufzusuchen. Frieda geht hier sehr eifrig ans Werk. So zeigt sie auch minimale Vertiefungen oder Schwellen im Boden an oder auch einfach nur, wenn sich der Belag ändert. Das hat sie so nicht gelernt, aber ihr Eifer ist so groß, dass sie am liebsten alles, was in irgendeiner Weise ein Hindernis darstellen könnte, anzeigen will. Aber mit einem „weiter“ kann man seinen Weg normal fortsetzen.

Eine besondere Vorliebe scheint sie für Ampeln zu haben. Das bemerkte ich, als ich ihr das erste Mal das Hörzeichen „such Ampel“ gab. Daraufhin rannte sie begeistert los, wurde immer schneller und hielt exakt vor dem nächsten Ampelpfosten an. Nun war natürlich ein Leckerli fällig, möglicherweise hat ihre Begeisterung für Ampeln auch damit zu tun, dass es hier nicht nur viel Lob, sondern auch meistens etwas zu knabbern gibt. Dieser Ansporn ist jedoch gerechtfertigt, denn es ist für Hunde schon eine Kunst, ausgerechnet eine Ampel als solche zu erkennen.

 

Auf Umwegen zum Ziel

Bis zu unserem Spazierweg mussten Frieda und ich ein Stück im Geschirr laufen, danach konnte ich sie frei herumtollen lassen. Eines Abends war unser üblicher Hinweg völlig von geparkten Autos blockiert. Frieda blieb kurz vor der Bescherung stehen, fackelte dann aber nicht lange und nahm nach kurzem Nachdenken schlicht und einfach einen anderen Weg, auf dem wir beide vorher noch nie gelaufen waren. Meine Mutter, die uns gerade besuchte und unseren Gang begleitete, merkte nicht einmal, dass wir gerade einen Umweg nahmen, so sicher führte mich Frieda zum Ziel, denn wir kamen genau dort an, wo ich sie sonst immer aus dem Geschirr nahm und von der Leine ließ. Auch ich hatte mir nichts anmerken lassen, denn inzwischen konnte ich Frieda schon soweit vertrauen, dass ich merkte, wie sie einen Ausweg suchte und fand. Auf dem Rückweg konnte sie es natürlich nicht lassen, aus Eifer noch zusätzlich eine Ampel und eine Treppe anzuzeigen, die wir auf dem Weg aber gar nicht brauchten. Solche Sachen sind aber nicht gefährlich, da die Hunde gelernt haben, vor einer Treppe stehen zu bleiben und an Ampeln so zu halten, dass sich der Blinde nicht am Pfosten stößt. Es bewies mir nur wieder einmal mehr, wie eifrig Frieda bei der Sache ist und wie viel Spaß es ihr macht, zu führen.

 

Ausblick

Nun befinden Trainerin Julia, Frieda und ich uns in der dritten Einschulungswoche an meinem Wohnort. Hier üben wir die Wege, die ich täglich gehen muss. Einer von ihnen wird Inhalt der Gespannprüfung sein, die uns noch erwartet. Hier soll festgestellt werden, ob das Gespann, also der Hund und der Blinde, so miteinander zurechtkommen, dass sie sich beispielsweise im Straßenverkehr nicht gefährden, und auch keine Gefahr für andere darstellen. Falls wir diese Prüfung nicht bestehen, was Julia im Übrigen nicht glaubt, kann es nicht am Training gelegen haben. Wenn es nötig war, verbesserte uns Julia und ließ es uns noch einmal versuchen, bis es schließlich klappte. Die Kritik, die sie gab, war positiv und nicht einschüchternd oder kränkend. Wer wirklich etwas lernen will, kann aus dieser Art von Training viel mitnehmen und weiß schließlich, wie man mit seinem Führhund umgehen muss, was erlaubt ist und wo man durchgreifen und konsequent sein muss.

Frieda ist trotz ihres Temperaments und ihrer Wildheit sehr folgsam und gehorcht praktisch aufs Wort, zwar manchmal mehr, manchmal weniger gern, aber das ist ja nicht nur bei Hunden so. Ich habe in den zwei Wochen, die wir jetzt zusammen verbracht haben, erfahren dürfen, dass ich mich auf sie verlassen kann. Sie muss eine sehr gute Ausbildung genossen haben.

Insofern sehe ich der Gespannprüfung positiv entgegen.

Post von Arthus …

Liebe Familie Seitle,

seit fünf Monaten bin ich nun bei meinem neuen Herrchen Pierre und seiner Familie.
Hier in Weilerswist habe ich mich sehr gut eingelebt. Das Zuhause ist sehr schön, ich habe meinen Platz im Wohnzimmer und kann alles miterleben.
Die „alte“ Katze Kira hat mich gut akzeptiert und ich wohne mit ihr nebeneinander her. Sie auf der Couch, ich davor. Manchmal ist Sie ein bisschen frech und geht unter meinem Bauch her wenn ich in der Gegend rum stehe.
Mein Frauchen und Katharina haben mich voll in ihr Herz geschlossen, vor allem Katharina spielt oft mit mir, geht mit mir spazieren und lässt mich mit anderen Kumpels spielen. Frauchen geht mit mir oft Gassi und wir treffen hin und wieder andere Frauchen mit Hunden. (Was hatten Sie am Anfang Ängste)
Mit meinem Herrchen mache ich immer lange Spaziergänge bei denen ich dann über die Felder und Wiesen flitze, mit anderen Hunden spiele und ab und zu in die Erft (Flüsschen) springe. Hier habe ich schon viele Freundinnen und Freunde gefunden z.B. Alina, Luna, Paul, Max, Pernot (Labradore). Mein bester Freund ist Milow ein Border Collie.

Das wichtigste ist natürlich dass ich mein Herrchen zur Arbeit und Einkaufen begleite. Morgens zur Bahn und dann ins Büro. Klappt alles prima. Vor allem freut sich mein Herrchen jetzt auch wieder in der dunklen Jahreszeit mit mir zu gehen. Das mache ich auch sehr gut und passe immer schön auf. War auch schon mit bei einer Dienstreise mit der DB.
Muß auch manchmal mit zu Meetings, dass ist soooo langweilig – da stöhne ich immer. Freue mich dann wenn es wieder nach Hause geht.
Meine Familie hat auch mit meiner Patenfamilie Kontakt aufgenommen und viel über mich erfahren und erzählt. Meine Pateneltern haben Fotos und ein Video geschickt, wo zu sehen ist wie ich aufgewachsen bin. Meine Herrchen haben sich sehr gefreut und viel gelacht.
Fotos von mir im Anhang.Pierre und Arthus

Viele Grüße an Julia, es geht mir hier sehr gut.

Arthus mit Pierre und Familie

Bärbel und Ihre Hündin Viorella

Viorellas neue Heimat

Mit klopfendem Herzen sah ich im November letzten Jahres der Ausbildung mit meiner neuen Blindenführhündin entgegen. Ich kannte ihren Namen: Viorella, ihre Farbe: blond und dass sie ein etwas kräftiger und damit ruhiger Labrador sei. Der Tag der Begegnung kam und Viorella eroberte mich im Sturm, im wahrsten Sinne des Wortes: die ersten Tage der Einschulung waren mit Regen und Schneetreiben durchsetzt.

Von Herrn Seitle wurde ich auf die besonderen Eigenschaften, das Verhalten und die Eigenarten eines Blindenführhundes hingewiesen. Unsere Lehrerin Katrin bewies beim Training eine Engelsgeduld und so lernten wir Neuburg und Ingolstadt gründlich kennen. Das Vertrauen zu meinem Hund wuchs von Tag zu Tag und ich fühlte mich ständig sicherer. Um eine kleine Pause einzulegen fährt mein Führhund liebend gern Bus. Von den Mitarbeitern des Sporthotels, wo wir während der Einschulung untergebracht waren, wurden wir freundlich umsorgt und durch ihr einnehmendes Wesen fand Viorella ständig neue Fans. Der Muskelkater der ersten Tage war rasch vergessen.

Nach 2 Wochen Bayern ging es in die ostwestfälische Heimat. Die lange Fahrt, die mir zunächst Kopfschmerzen bereitete, war für Viorella kein Problem. Das beweist sie auch immer wieder: Ssie verreist sehr gern. Zu Hause wurden wir mit großem Hallo begrüßt, alle Nachbarn und Freunde wollten den neuen Führhund kennen lernen. Für Viorella toll: es passiert was.

Die heimischen Wege bereiteten ihr keine Schwierigkeiten, selbst die einzige Fußgängerampel in unserer Kleinstadt fand sie ohne vorheriges Üben sofort. Stolz erwartete sie ihr Leckerli. Als die Trainerin Katrin nach einer Woche heimfuhr war ich trauriger als Viorella. An dem Cafe, das wir während unserer Ausbildung manchmal aufsuchten, lässt meine Hündin mich nicht mehr vorbei. Ihren damaligen Stammplatz (erster Tisch hinter der Glastür) sieht sie mittlerweile als ihr Eigentum an. Auch beim Frisör führt sie mich immer zum gleichen Stuhl, egal ob eine Kundin dort sitzt oder nicht. Eine besondere Herausforderung für sie sind Menschenansammlungen. Schwanz wedelnd bahnt sie sich ihren Weg und ich muss mit. Ihr Leben heißt jedoch nicht nur Arbeit sondern auch Freizeit.

Gern spielen wir gemeinsam im Garten, wo sie bei der Umgestaltung sehr behilflich war. Das Umsortieren von Kaminholz zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen und Fallobst wird gegen entsprechendes Leckerli abgeliefert. Beim Gassi gehen sind wir über die Dauer nicht immer der gleichen Meinung, Regen stört sie nicht – mich schon und nicht überall findet sich sofort ein Gebüsch, hinter dem man sein Geschäft erledigen kann, besonders nicht am Strand in Frankreich. Sprachprobleme mit ihren Artgenossen hatte sie dort allerdings nicht. Auf charmante Weise hat Viorella mein Herz und das meines Mannes erobert und findet uns scheinbar o.k. Unser großer Dank gilt der Führhundschule Seitle samt Team.

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